Von Banken, Bänkern und Banausen
von Mike. Voraussichtliche Lesezeit: etwa 3 Minuten.
Ja, ja, die Bankenkrise. Wenn ich das höre, könnte ich selbst eine Krise bekommen. Da versemmeln die Banken die Gelder der Anleger (nicht ihr eigenes, wo kämen wir denn da hin), und jetzt schreien sie um Hilfe. Der Vater Staat wird es schon richten.
Konkret heißt das, dass alle Bürger nun von den Kassen zur Kasse gebeten werden, indirekt. Sie haben eine schlechte Schufa? Bekommen keinen Kredit bei Ihrer Bank, den Sie dringend benötigen? Tja, aber die Bank bekommt Kredit bei Ihnen. Über Ihre Steuergelder. Sie wurden nicht gefragt? So ist das nun mal. Die Deutsche Bank hat allein im letzten Quartal über vier Milliarden Euro im Lokus versenkt. Vor dem Hintergrund nimmt sich das Viktory-Zeichen des Multimillionärs Ackermann besonders arrogant aus. Da kommt so ein Mitleid heischender Schwächeanfall natürlich gerade recht. Die Hypo Real Estate aus Bayern entpuppt sich derweil als besonders großes Milliardengrab. Hier ist der Staat mit etlichen Milliarden eingesprungen – also Sie mit.
Schlau wäre es, wenn der Staat die Bank ganz übernähme, dann kann er an den Mittelstand dringend benötigte Kredite verteilen. Denn der Mittelstand ist es, der die deutsche Wirtschaft in Gang hält. Und der vor allem noch Steuern zahlt.
Sie haben noch Bankaktien? Ich wüsste da einen Klopapierhersteller, der die dringend benötigt. So könnte man sich mit den wertpapierstyligen Klorollen standesgemäß den Hintern wischen. Garantiert ist das Papier anschließend mehr wert als vorher.
Apropos Staatsbank: Die HSH-Nordbank, die mehr als zur Hälfte Hamburg und Schleswig-Holstein gehört, möchte aus dem Finanzmarktstabilisierungsfonds 30 Milliarden Euro Garantiesumme beantragen. Gleichzeitig will sie an die 70 Millionen Euro als Dividende an ihre Anleger auszahlen. Paradox? Kommt noch besser: Die HSH-Nordbank unterhält auch ein „Engagement“, wie sie es blumig umschreiben, auf den Cayman-Inseln. Da ich nicht glaube, dass sie dort einen Ferien- oder Tauchclub betreiben, sich im Fischgeschäft engagieren, oder gar in der Rumherstellung, muss ich annehmen, dass sie allein aus Gründen der Umgehung der Steuerpflicht in Deutschland tätig sind. Man könnte also sagen, der Staat behumpst den Staat, um sich dann beim Staat wieder zu bedienen, also bei uns allen. Das ist wie Robin Hood, nur anders herum.
Nun habe ich mich gefragt, ob ich nicht mal eine Jobsuche bei den Großbanken starten soll. Meine Qualifikation: Ich bin fähig und in der Lage innerhalb weniger Monate Milliarden an Euro zu verspekulieren, zudem bin ich willens und bereit, zu meinem siebenstelligen Jahresgehalt am Jahresende noch einmal den einen oder anderen siebenstelligen Bonus in Empfang zu nehmen. Zusätzlich beherrsche ich ganz hervorragend die „Freistellung“ von tausenden von Mitarbeitern, sodass die Bilanz am Ende des Jahres sogar mehr als ausgeglichen ist. Bei Interesse, schreiben Sie bitte an den Stadtkurier und betteln bitten um einen Termin.
Nun ist das ganze Brimborium um die Banken noch lange nicht ausgestanden. Am Ende steht vielleicht doch die Verstaatlichung aller privaten Großbanken. Wer weiß? Nur, Kredite für notwendige Investitionen zu bekommen, wird für den Privat- wie für den Geschäftsmann immer schwieriger. Wolfgang Joop dagegen freute sich neulich in der ARD richtig, dass jetzt endlich Schluss ist mit dem guten Leben, dass man sich wieder besinnt auf die wirklich wichtigen Werte, dass man auch als kleiner Unternehmer – zum Beispiel Betreiber eines vietnamesischen Restaurants – zufrieden gibt mit den wenigen Einnahmen, und alle Familienmitglieder zwangsweise zusammenrücken müssten, also Zusammenhalt erfahren. Auch die Unsitte des Zweitwagens (mit dem die Frau ja zur Arbeit fahren muss, weil auf dem Dorf ja keine öffentlichen Verkehrsmittel verkehren, was ja schön wäre, sagt doch der Name das aus) hat er angeprangert. Zumindest so ähnlich hat sich der immer noch Millionär bei der Frau Will geäußert. Ist der nicht niedlich, wie er so Wasser predigt um anschließend Wein zu saufen? Alle müssen sich bescheiden, nur ich selbst natürlich nicht. Nun ja, Exzentriker sind in der Modebranche ja gang und gäbe.
Also, schnallen wir alle den Dolce & Gabana-Gürtel enger, damit die Ackermänner dieses Landes weitere Milliarden verbraten können. Wäre doch gelacht, wenn so ein „Männätscher“ das nicht hinbekäme.

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