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Vom Trötenmärchen und anderen Ungereimtheiten

Donnerstag, Juli 1st, 2010

Als ich das erste Mal das Wort Vuvuzela (gesprochen „Wuwuseela“) hörte, vermutete ich unsinniger Weise, unser norddeutsches Fußballidol Uwe Seeler wolle sich mit 130 Dezibel bei der WM in Südafrika in die Köpfe der Zuschauer und -hörer hämmern.

Dem war natürlich nicht so. Uns Uwe lässt sich lediglich von EDEKA fürs Einkaufen bezahlen: „Bei den richtigen Vorlagen, mach’ ich ihn auch rein!“.
Stattdessen wurde der FIFA und den Ländern der Welt erzählt, dieses unsäglich gleichtönig lärmende Plastikhörnchen hätte mit der Kultur des Kontinents Afrika zu tun, die Afrikaner würden so nun mal ihre Fußballfeste feiern, und wir hätten den Lärm nun klaglos zu ertragen. FIFA-Präsident Joseph Blatter im Vorjahr: „Es ist afrikanische Kultur, wir sind in Afrika und müssen den Afrikanern soviel Kulturausübung erlauben, wie sie nur wollen.“
Nun haben sich einige Ethnologen des Themas angenommen, und Überraschendes herausgefunden: voll veräppelt! Erst seit ca. neun Jahren gäbe es das Trommelfellärgernis, und würde seit dem auch nur in Südafrika eine Rolle spielen, andere afrikanische Länder kannten die Nervtröte gar nicht. Auch die Verwandschaft mit traditionellen Musikinstrumenten wird von Ethnologen bestritten. Und nun pinkeln sich die Hersteller der Plastikhörner vor Freude in die Turnschuhe, denn der Umsatz muss gewaltig sein. Zudem haben sie es geschafft, fast die ganze Welt an der Nase herumzuführen, und vielen Zuschauern, Spielern, Schiedsrichtern und Journalisten einen gewaltigen Tinnitus zu bescheren. Werder Bremen war übrigens so mutig, die Dinger aus dem Stadion zu verbannen. Wer da laut tröten will, muss nun vorher Bohnen mit Zwiebeln essen. Und überhaupt: Ohne die Vuvuzela hört man wieder unsere traditionellen Fangesänge: „Zieht den Bayern die Lederhose aus“ oder auch „Schiri, wir wissen wo Dein Auto steht“ und so wundervolle Stadionprosa wie „Das war Abseits, du Blindfisch“ oder „Geh’ doch nach Hause, du alte Scheiße“, immer in Verbindung mit dem nötigen, alkoholbedingten Nuscheln. Denn man kann ohne weiteres behaupten, dass das Biertrinken bei uns in Deutschlands Stadien zu uralter Tradition gehört, genau so, wie das Bratwurstessen. Letzteres bleibt übrigens akustisch meist folgenlos. Sieht man von Würgegeräuschen auf den Stadiontoiletten einmal ab.
Apropos Würgegeräusche: Kaum vermeldet der Schäuble, dass er nun doch „nur“ 60 bis 63 Milliarden Euro neue Schulden aufnehmen muss, statt der geplanten 80 Milliarden, schon entblöden sich einige Politiker, und wollen wieder Steuern senken. Da wünscht man sich doch glatt die Wiedergeburt des Franz Josef Strauß als Bundesfinanzminister. Der konnte wenigstens einen ausgeglichenen Haushalt präsentieren: „Ich übergebe eine geordnete Kasse und völlig geordnete Bücher mit konsolidierten Verhältnissen.“ (Strauß 1969) Sogar Helmut Schmidt ließ sich 1966 „lobend“ über Strauß aus: „Strauß war die Kröte, die wir schlucken mussten.“ Und Kurt Georg Kiesinger glaubte 1966 in ihm die „Qualitäten eines Herkules“ zu erkennen. Wo sind solche Politiker heute?
Auch lustig: Der Pro-Israel Politiker Dirk Niebel musste sich vom israelischen „Türsteher“ und Leiter des Außenministeriums Liebermann sagen lassen: „Du kommst hier nüsch rein!“, als er im Gaza-Streifen eine Kläranlage besuchen wollte, die unter anderem auch mit Entwicklungshilfegeldern aus Deutschland gebaut wurde. Die ist allerdings nicht in Betrieb, da sie durch einige israelische Bomben beschädigt wurde. So werden denn die Fäkalien munter ins Meer geleitet. Man sollte den Küstenlandstrich in „Côte brun“ umbenennen. Die zur Reparatur dringend benötigten Materialien, wie Zement und Stahl dürfen nicht ins Land gelassen werden, da man damit schließlich auch andere Dinge anstellen kann. Da ist es doch gut zu wissen, dass nur ein paar Kilometer südlich Israel eine Meerwasserentsalzungsanlage betreibt. Und wenn die Meeresstömung etwas ungünstig …
Aber lassen wir das.

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Ohrenpest

Montag, Juni 14th, 2010

Ich stelle hier mal den Antrag:

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