Montag, August 17th, 2009
… kann ja so einiges. Zur Not auch man selbst. Nur fordert das in der Regel keine größeren Konsequenzen; außer vielleicht einen eingeschlafenen Arm oder ein ebenso taubes Bein. Allerdings sollte man bei Frau Merkel nichts rumliegen lassen, dann ist sie nämlich umgehend zur Stelle: “Es kann nicht sein, dass der Computer und die darin liegende Festplatte ein Raum sind, wo der deutsche Rechtsstaat sagt, da greifen wir nicht zu (Dr. Angela Merkel, Bundeskanzlerin).”So verlautete sie in der letzten Woche im ZDF1. Nun frage ich mich natürlich, wie ich meine persönlichen Daten auf meinem PC vor Frau Merkel in Sicherheit bringe: wie zum Beispiel die Nacktfotos meiner Nachbarin, die Liebesgedichte an Frau “Nur-sieben-Jahre-Pauli”, die Zugangsdaten für das schweizer Bankkonto und meine Teletubbies-Sammlung? Letztlich liegt das alles ja auch nur “so rum” auf meinem PC. Ganz zu schweigen von den vielen Artikeln, in denen ich eventuell etwas zu ehrlich war, mit meiner Meinung über den einen oder anderen Politiker. Ich traue mich auch gar nicht, die Suchfunktion des Rechners zu benutzen, um nach “Bombe” zu suchen, aus Angst, ich könnte fündig werden (ich hatte mal ein Rezept von einer Eisbombe auf dem Rechner gespeichert; wo, werde ich wohl jetzt nicht mehr herausfinden). Was ich allerdings nicht verstehe ist, warum Frau Merkel in China war und dort die Menschenrechte angemahnt hat? Gibt’s die nur für Chinesen?
Ganz recht geschieht es ihr da, dass die Chinesen sie jetzt als “Hexe” bezeichnen dürfen. Von höchster Stelle abgesegnet! Nicht, weil sie auf meinem Computer umherschnüffeln möchte, sondern weil sie den Dalai Lama in Deutschland persönlich in Empfang genommen hat. Sie hat sogar mit ihm geredet: über Menschenrechte, unter anderem.
“Liebe Frau Merkel!
Da ich glaube, dass sie ein Tagebuch führen, und da ich weiterhin glaube, das dieses bei Ihnen rumliegt, hätte ich gern die Ausgaben von 1988 bis 2006. Falls dort Intimitäten mit einem gewissen Herrn Broccoli, auch genannt Apfel2, geschildert sind, können Sie diese Seiten gerne herausreißen – mir wird sonst vielleicht übel.
Weiters fügen Sie bitte aktuelle Kontoauszüge und Zugangsdaten für Ihr Online-Banking inklusive aller Passwörter bei. Da das bei Ihnen, wie bei allen anderen Menschen in diesem Lande genau so rumliegt, wie die Festplatten in diversen Rechnern, möchte ich doch gerne zugreifen. Ich bin zwar nicht der deutsche Rechtsstaat, allerdings habe ich die gleiche Legitimation wie dieser (zumindest nach Ihrer Rechtsauffassung), mich an privaten Daten zu vergreifen.
Haben Sie bitte Verständnis dafür, dass ich Ihnen das Porto nicht erstatten kann, da meine Festplatten gänzlich gelöscht und sämtliche Zugangsdaten für meine Konten somit unbekannt sind.
In Erwartung Ihrer spannenden Lektüre verbleibe ich,
mit freundlichen Grüßen
Ihr Gerhard Schröder3”
Dieses Brieflein können Sie gern als Musterbrief notieren (nur nicht auf Ihrem Computer abspeichern!) und bei Bedarf an unsere – um die Menschenrechte besorgte – Kanzlerin schicken. Nur eins vorweg: Ich habe zuerst gefragt!
Tags: Kanzlerin, Menschenrechte, Merkel, Schäuble, Überwachungsstaat, von der Leyen
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