Montag, März 29th, 2010
Es erfordert schon immenses Vorstellungsvermögen, unseren Staatshaushalt zu begreifen. Das liegt unter anderem daran, dass da so viele Nullen mit im Spiel sind. Und das kann man so oder so sehen – und hat immer Recht.Um diese ganze Misere begreiflich zu machen, greife ich zu einer List: ich streiche einfach die Nullen weg (wenn das so einfach wäre …). Dann kommen dabei Zahlen heraus, die sogar der „normale Ottoverbraucher“ versteht.
Also: Die diesjährigen Ausgaben der BRD betragen 327 Euro (wir erinnern uns: nix Nullen). Und weil ja in der Geschichte der BRD noch kein Politiker je mit Geld umgehen konnte, summiert sich seit 1949 die Staatsverschuldung auf 1.700,- Euro. Aber, wir sind ja der Wirtschaftsgigant in der EU. Uns geht es ja so gut!!! Wir haben nämlich auch Einnahmen. Zum Beispiel aus Steuern. Die betragen voraussichtlich 214,- Euro. Und noch ein paar Kröten, die unter der Rubrik „Sonstiges“ hereinkommen (nein, nicht die Parteispenden, die bleiben allein den Parteien) in Höhe von ca. 27,- Euro. Das macht zusammen – uuups – ja nur 241,- Euro. Wir brauchen doch aber 327,- Euro. Also benötigen wir einen Kredit von 86,- Euro. Und im Gegensatz zu oben erwähntem „normalen Ottoverbraucher“ bekommt unser rollender Finanzvernichter natürlich den Kredit, obwohl er ja schon 1.700,- Euro Schulden hat und nur 241,- Euro hereinkommen. Von denen die Zinsen für den dann auf 1.786,- Euro gestiegenen Schuldenberg aufgebracht werden müssen. Tilgung? Gar nicht dran zu denken.
Allein die Trösterin der Witwen und Waisen, die ehemalige Zensursula und jetzige Ministerin für Arbeit und Soziales bekommt aus dem Haushalt 147,- Euro (ihr Vorgänger kam mit 124,- Euro aus), und die geburtenstarken Jahrgänge kommen erst. Die Zinsen für die Kredite fressen allein 41,- Euro auf, sodass die beiden Ministerien alleine schon 188,- Euro benötigen. Und die anderen 14 Ministerien wollen auch was haben. Schließlich spielen wir ja auch Krieg, und Wohltäter natürlich auch. Die armen Banken, die sich in die Bredouille geritten haben, müssen schließlich großzügig unterstützt werden. Wäre ja nicht auszudenken, wenn deren Manager mit ein paar Millionen im Jahr weniger auskommen müssten (allein der Herr Ackermann, seines Zeichens Chef der Deutschen Bank, bekommt geschätzte 0,01 Euro Jahresgehalt; die sieben fehlenden Nullen müssen Sie sich dann wieder dazu denken, das Komma weglassen und die eins vorne dran stellen; na gut, ich will mal nicht so sein: 10.000.000,-).
Nun müssen die anderen aber zusammen mit 53,- Euro auskommen. Damit sind die natürlich nicht zufrieden, und möchten auch gerne mehr Geld haben. Leider wachsen die Einnahmen nicht so schnell, wie die Ausgaben. Und da haben unsere Politiker eine tolle Idee: Steuersenkungen! Leuchtet Ihnen das auch so ein wie mir? Es soll quasi so funktionieren, dass durch die Senkung der Steuern die Wirtschaft angekurbelt wird, da ja alle mehr Geld haben und somit auch mehr kaufen können, und dadurch haben wir dann das ersehnte Wachstum. Hat in der Vergangenheit noch nie funktioniert, wird es auch in Zukunft nicht. Die Aussichten sind also mehr als übel. Und wenn Onkel Wolfi fürderhin auch noch sieben Prozent Zinsen (wie zum Beispiel Griechenland) statt drei Prozent auf die 1.786,- Euro Schulden zahlen müsste, dann kann er sich gleich auf den Weg in die Insolvenz machen.
Zur Not könnten wir aber auch ein paar Inseln verkaufen, so wie man es den Griechen vorgeschlagen hat. Sylt ist bald sowieso nicht mehr da, da können wir vorher auch noch einen schnellen Euro machen. Und Helgoland? Wer braucht schon Helgoland? Auf der Fähre wird eh allen immer schlecht.
Am Besten ruft der Schäuble mal den Peter Zwegat von RTL an. Den Schuldnerberater der Nation. Dann macht RTL eine Doku-Soap draus („Schäuble 5, und der Zwegat macht sich auf die Strümpf“ oder so ähnlich), und vermarktet die europaweit zu horrenden Summen, die dann wieder in die Staatskasse zu fließen haben. So könnten wir es schaffen, aus der Schuldenfalle herauszukommen. Wobei auch das Auge etwas davon hätte, denn bei Schäuble zu Hause und im Ministerium sieht es bestimmt nicht so heruntergekommen aus, wie bei Zwegats Stammkunden. Zudem hätten unsere europäischen Nachbarn mal ordentlich was zu lachen, und das ist schließlich gesund. So tun wir auch noch etwas für deren Gesundheitskassen. In der BRD sieht’s da ja eher schlecht aus. Kopfpauschale, ick hör dir trapsen. Aber das sind ja keine Steuern, das sind Abgaben. Und Raider heißt jetzt Twix, sonst ändert sich nix.
Tags: Neuverschuldung, Politiker, Sarkasmus, Satire, Schäuble, Steuern, Zwegat
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Mittwoch, Januar 6th, 2010
Nun möchte die FDP die GEZ abschaffen, was erst einmal eine gute Idee ist. Nur möchte sie dann über eine “Medienabgabe” – einzuziehen über das Finanzamt (!) – alle Bürger, die ein eigenes Einkommen haben mit dieser besteuernlasten. Nun wird die Idee wieder sehr merkwürdig. Denn so ist es unerheblich, ob jemand ein Gerät zum Empfang öffentlich-rechtlichen Datenmülls bereit hält oder nicht. Er muss zahlen. Wofür bloß?
Zumindest gäbe es dann keine bösen, bösen Schwarzseher mehr. Und Mehreinnahmen gäbe es auch. Und wer es bis dahin geschafft hat, auf Radio und Fernseher zu verzichten, der bekommt gleich den Anreiz, sich solche Geräte zuzulegen (Wirtschaftswachstum!!!), denn schließlich zahlt er ja für den Rundfunk- und Fernsehempfang. Zudem könnten dann die Öffentlich-Rechtlichen mit Geld nur so prassen, Moderatoren wie Beckmann (Waren sie traurig, als Ihre Mutter starb?) Millionen an Jahresgehalt an den Kopf werfen. Leichte Schläge auf den Hinterkopf sollen ja das Denkvermögen erhöhen.
Womit ich mal zum Rundfunkstaatsvertrag komme, in dem unter anderem definiert ist, dass die Öffentlich-Rechtlichen nach 20 Uhr keine Werbung mehr schalten dürfen.
“Diese Sendung wurde Ihnen präsentiert von Bitburger Premiumpils!”
HALTET IHR UNS EIGENTLICH ALLE FÜR DÄMLICH? Hat jemand Lust auf eine Sammelklage mit Schadensersatzforderung in Millionenhöhe? Beute wird geteilt!
Tags: FDP, GEZ, Steuern, Werbung
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Dienstag, Oktober 13th, 2009
Helmut Schmidt sagte einmal: „Wer Visionen hat, der soll zum Arzt gehen!“ Nur wird mir auch der Arzt kaum helfen können, es sei denn, er verschriebe mir Antidepressiva. Wage ich einen Blick in die Zukunft, wird mir nämlich ganz übel. Versprach uns schwarz-gelb noch vor der Wahl Steuererleichterungen, höhere Kinderfreibeträge und mehr Kindergeld, so werden diese Versprechungen – erwartungsgemäß – gebrochen. Einfache Begründung, die man vor der Wahl auch hätte „ahnen“ können: es ist kein Geld da. Nun werden – noch sehr spekulativ, aber das waren Koalitionen mit SPD und Linken vor der Wahl auch – Möglichkeiten gesucht, den Staatshaushalt auf Kosten der Bürger zu sanieren. Zum Beispiel mit Hilfe der PKW-Maut auf Autobahnen (die allerdings komplett in den Straßenbau fließen soll, bevor das Geld „durch die klebrigen Finger des Finanzministers läuft“), dem Wegfall des ermäßigten Steuersatzes oder der Erhöhung des Beitrags zur Arbeitslosenversicherung, in Erwartung höherer Arbeitslosenzahlen. Alle diese Maßnahmen träfen natürlich in erster Linie die BürgerInnen schwer, die sowieso schon wenig verdienen. Um Neuverschuldung, die die selbst auferlegte Schuldenbremse sprengen, kommt die Kanzlerin mit ihrem immer noch von Steuererleichterungen faselnden Guido Westerwelle wohl nicht herum. Nun, Herr Westerwelle könnte ja immer noch ein Gesetz anregen, dass Servolenkungen für alle Fahrzeuge bindend vorschreibt; das wären ja auch Steuererleichterungen im weitesten Sinne. So ganz viele Möglichkeiten gibt es ja nicht, auf der einen Seite den Staatssäckel zu füllen, und der anderen Seite den BürgerInnen zu mehr Netto in der Brieftasche zu verhelfen. Die Zukunftsaussichten sind also mehr als düster, auch für nachfolgende Generationen bleibt noch viel Ballast abzutragen, den unsere und die voran gegangenen Generationen angehäuft haben. Statt „Schönheitsoperationen für alle!“, wie sie Horst Schlämmer alias Hape Kerkeling in seinem letzten Film (siehe unten) fordert, sollte man lieber „Antidepressiva für alle!“ fordern. Es ginge uns dann zwar finanziell nicht besser, dieses uns aber so was von am Pöter vorbei …
Tags: CDU, FDP, Horst Schlämmer, Merkel, Steuern
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Donnerstag, Oktober 1st, 2009
Wie die HNA hier grammatikalisch und rechtschreibmäßig unbeholfen berichtet, beläuft sich das Defizit im Haushalt von Uslar auf 1,3 Millionen Euro in diesem Jahr. Bürgermeisterin Daske freut sich über ein blaues Auge, mit dem Uslar in diesem Jahr noch einmal davon gekommen sei. Nächstes Jahr würde es schlimmer. Gespart soll werden, unbedingt. Da sind sich eigentlich alle einig, quer durch die Parteien. Doch mehr als Lippenbekenntnisse sind das nicht. Sparen ja, aber erst die anderen bitteschön.

Dorfgemeinschaftshaus in Wiensen in privater Trägerschaft, um 30.000,– Euro jährlich zu sparen? Neiiiiiiin! Das geht doch nicht. Kinderspielplätze, die die Stadt mit tausenden von Euro jährlich belasten, schließen? Neiiiin! Unmöglich, die werden gebraucht (Einzig Fürstenhagen setzt hier ein Zeichen, davon später an anderer Stelle mehr)! Kindergärten schließen, da mehr Plätze als Kinder da sind? Um Gottes Willen, nein! Unsere Kinderlein lieb gehen doch nicht mit Migrantenkindern in einen Kindergarten, wo kämen wir da hin (wird natürlich nicht offiziell so begründet, hinter vorgehaltener Hand allerdings schon; trotzdem lege ich meine Hand dafür nicht ins Feuer, ich halte es lediglich für vorstellbar; schließlich kennt man ja seine Schweine am Gang, gell?). Und wie war das doch noch in Eschershausen, Herr Dr. Weinreis? Ach, Sie wohnen da? Na, dann nicht …
Tags: Daske, Haushaltsdefizit, Sparkurs, Steuern, Uslar
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Montag, August 17th, 2009
Ja, ja, die Bankenkrise. Wenn ich das höre, könnte ich selbst eine Krise bekommen. Da versemmeln die Banken die Gelder der Anleger (nicht ihr eigenes, wo kämen wir denn da hin), und jetzt schreien sie um Hilfe. Der Vater Staat wird es schon richten.Konkret heißt das, dass alle Bürger nun von den Kassen zur Kasse gebeten werden, indirekt. Sie haben eine schlechte Schufa? Bekommen keinen Kredit bei Ihrer Bank, den Sie dringend benötigen? Tja, aber die Bank bekommt Kredit bei Ihnen. Über Ihre Steuergelder. Sie wurden nicht gefragt? So ist das nun mal. Die Deutsche Bank hat allein im letzten Quartal über vier Milliarden Euro im Lokus versenkt. Vor dem Hintergrund nimmt sich das Viktory-Zeichen des Multimillionärs Ackermann besonders arrogant aus. Da kommt so ein Mitleid heischender Schwächeanfall natürlich gerade recht. Die Hypo Real Estate aus Bayern entpuppt sich derweil als besonders großes Milliardengrab. Hier ist der Staat mit etlichen Milliarden eingesprungen – also Sie mit.
Schlau wäre es, wenn der Staat die Bank ganz übernähme, dann kann er an den Mittelstand dringend benötigte Kredite verteilen. Denn der Mittelstand ist es, der die deutsche Wirtschaft in Gang hält. Und der vor allem noch Steuern zahlt.
Sie haben noch Bankaktien? Ich wüsste da einen Klopapierhersteller, der die dringend benötigt. So könnte man sich mit den wertpapierstyligen Klorollen standesgemäß den Hintern wischen. Garantiert ist das Papier anschließend mehr wert als vorher.
Apropos Staatsbank: Die HSH-Nordbank, die mehr als zur Hälfte Hamburg und Schleswig-Holstein gehört, möchte aus dem Finanzmarktstabilisierungsfonds 30 Milliarden Euro Garantiesumme beantragen. Gleichzeitig will sie an die 70 Millionen Euro als Dividende an ihre Anleger auszahlen. Paradox? Kommt noch besser: Die HSH-Nordbank unterhält auch ein „Engagement“, wie sie es blumig umschreiben, auf den Cayman-Inseln. Da ich nicht glaube, dass sie dort einen Ferien- oder Tauchclub betreiben, sich im Fischgeschäft engagieren, oder gar in der Rumherstellung, muss ich annehmen, dass sie allein aus Gründen der Umgehung der Steuerpflicht in Deutschland tätig sind. Man könnte also sagen, der Staat behumpst den Staat, um sich dann beim Staat wieder zu bedienen, also bei uns allen. Das ist wie Robin Hood, nur anders herum.
Nun habe ich mich gefragt, ob ich nicht mal eine Jobsuche bei den Großbanken starten soll. Meine Qualifikation: Ich bin fähig und in der Lage innerhalb weniger Monate Milliarden an Euro zu verspekulieren, zudem bin ich willens und bereit, zu meinem siebenstelligen Jahresgehalt am Jahresende noch einmal den einen oder anderen siebenstelligen Bonus in Empfang zu nehmen. Zusätzlich beherrsche ich ganz hervorragend die „Freistellung“ von tausenden von Mitarbeitern, sodass die Bilanz am Ende des Jahres sogar mehr als ausgeglichen ist. Bei Interesse, schreiben Sie bitte an den Stadtkurier und betteln bitten um einen Termin.
Nun ist das ganze Brimborium um die Banken noch lange nicht ausgestanden. Am Ende steht vielleicht doch die Verstaatlichung aller privaten Großbanken. Wer weiß? Nur, Kredite für notwendige Investitionen zu bekommen, wird für den Privat- wie für den Geschäftsmann immer schwieriger. Wolfgang Joop dagegen freute sich neulich in der ARD richtig, dass jetzt endlich Schluss ist mit dem guten Leben, dass man sich wieder besinnt auf die wirklich wichtigen Werte, dass man auch als kleiner Unternehmer – zum Beispiel Betreiber eines vietnamesischen Restaurants – zufrieden gibt mit den wenigen Einnahmen, und alle Familienmitglieder zwangsweise zusammenrücken müssten, also Zusammenhalt erfahren. Auch die Unsitte des Zweitwagens (mit dem die Frau ja zur Arbeit fahren muss, weil auf dem Dorf ja keine öffentlichen Verkehrsmittel verkehren, was ja schön wäre, sagt doch der Name das aus) hat er angeprangert. Zumindest so ähnlich hat sich der immer noch Millionär bei der Frau Will geäußert. Ist der nicht niedlich, wie er so Wasser predigt um anschließend Wein zu saufen? Alle müssen sich bescheiden, nur ich selbst natürlich nicht. Nun ja, Exzentriker sind in der Modebranche ja gang und gäbe.
Also, schnallen wir alle den Dolce & Gabana-Gürtel enger, damit die Ackermänner dieses Landes weitere Milliarden verbraten können. Wäre doch gelacht, wenn so ein „Männätscher“ das nicht hinbekäme.
Tags: Bankenkrise, Bankster, Politiker, Steuern
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Montag, August 17th, 2009
Seit drei Wochen wissen wir endlich offiziell, was wir beim Blick auf unseren Kontostand sowieso schon wussten: Wir sind arm! Also nicht jeder, aber jeder achte – mindestens. Arbeitsminister Scholz gab aus seinem Armutsbericht bekannt, dass 13 Prozent der Bundesbürger als arm gelten, noch mal 13 Prozent werden nur durch staatliche Unterstützung vor der Armut bewahrt. Die soziale Kluft habe sich vertieft, sagt er. Er hätte uns ja auch mal was Neues erzählen können.
Interessant an den Ausführungen sind die nachfolgenden Zahlen, hier ein wenig verkürzt: Als reich gilt jemand (alleinstehend, keine Kinder), desses Einkommen netto mehr als 3.418 Euro beträgt; als arm, wenn er nur 781,- € netto in der Tasche hat. Immer noch ein wenig abstrakt? Gut, dann hier mal ein Beispiel, das jeder nachvollziehen kann: Der Präsident des Landesverbandes des KFZ-Gewerbes, Manfred Woltmann, meinte während seiner Eröffnungsansprache der neulich stattgefundenen Einbecker Motor-Show, es wären durchschnittlich acht Monatsgehälter für einen Neuwagen aufzuwenden; nur 3,2 Gehälter für einen Gebrauchten. Die Äußerung nehme ich mal zum Anlass für ein kleiner Rechenspielchen. Ein neuer 3er BMW kostet in der kleinsten Motorisierung und in Serienausstattung ca. 26.000,- Euro. Wir reden hier von unterer Mittelklasse! Für DM-Fetischisten: Das sind ca. 50.000,- D-Mark! Wenn Woltmanns Aussagen nun stimmen, verdient der Käufer dieses Modells monatlich 3.250,- € netto. Da fehlen also nur 168,- € Verdienst um offiziell als reich zu gelten. Und damit kann man sich nur einen 3er BMW leisten.
Der Arme müsste übrigens 6.248,- € für einen Neuwagen aufbringen – das reicht noch nicht mal für einen Dacia Logan, oder wie der heißt. Was will uns diese Rechnung nun sagen? Ganz einfach: Wir sind arm! Und das wussten wir vorher schon. Nun werden einige Politiker aber ganz wuselig, und wollen dringend was unternehmen (ja, ist denn schon wieder Wahl?), faseln von Umverteilung und Steuersenkung für die unteren Einkommen. Das ist also ungefähr so, als wenn ich beim Einkaufen an der Schlachtertheke statt 500 g Thüringer Mett, plötzlich und unerwartet 550 g für gleiches Geld bekomme. Das freut einen, aber satter wird man davon auch nicht. Und das sind immerhin 10 % mehr! Also der Arme bekäme statt 781,- € 859,10 €. Das freute ihn sicherlich, änderte aber nichts an seinen Lebensumständen. Er könnte höchstens in Erwägung ziehen, statt nur bei Aldi, auch einmal im Monat bei REWE einkaufen zu gehen. Nicht wirklich die Erlösung aus der Armut. Zudem die zehn Prozent sowieso für Heizkosten draufgingen. Was also tun? Hier mal ein blauäugig vorgeschlagener Maßnahmenkatalog:
• Wiedereinführung und erhöhung der Pendlerpauschale ab dem ersten Kilometer (und bitte nicht für Radfahrer, sondern Autofahrer)
• Wiedereinführung der Vermögenssteuer
• Anhebung des Höchststeuersatzes ab einem jährlichen Einkommen von brutto 100.000,- € auf 54 %, je weitere 50.000,- € zwei Prozent mehr bis höchstens 60 %
• Lohn- und Einkommenssteuerfreiheit für Einkommen von jährlich unter 12.000 € (Ganztagsbeschäftigung), 8.000 € (Teilzeitbeschäftigte)
• Massive Entlastung des selbstständigen Mittelstands (die einzigen, die noch Steuern in nicht unerheblichem Maße zahlen)
• Wegfall der Mehrwert- und Heizölsteuer für Heizöl
So, jetzt höre ich schon den Aufschrei der Politiker: Wer soll das bezahlen? Immer auf die Besserverdienenden! Ließe man Überflüssiges einmal weg, dann käme schon eine Menge Geld zusammen. Allein mit dem, was Auslandseinsätze der Bundeswehr kosten, könnte man einiges bewegen. Wer will denn wirklich, dass unsere Kinder im Ausland auslöffeln, was andere ihnen eingebrockt haben? Davon ab, dass wir (das Volk) gar nicht gefragt wurden. Was sollen auch diese irrsinnigen Subventionierungen ausländischer wie inländischer Firmen, die doch nur Arbeitsplätze von hier nach da verlagern und eigentlich gar keine neuen schaffen? Warum werden Windkraftwerke in Gegenden gefördert, die nachweislich unrentabel sind? Warum Bioenergie aus Biogasanlagen, wenn doch absehbar ist, dass die zukünftig nicht mehr rentabel arbeiten können? Man könnte das endlos fortsetzen, und eine Milliarde holt die nächste …
Ouups! Das liest sich ja fast, wie das Parteiprogramm der Linken. Tja, liebe Politiker: Das ist so ungefähr das, was der Souverän – das ist das Volk, welches euch wählt – will. Da braucht ihr euch nicht wundern, wenn die gewählt werden.
Tags: Politiker, Steuern
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Montag, August 17th, 2009
Es gibt ja sehr schöne Redewendungen in Deutschland, die man dieser Tage auch vermehrt einsetzen kann. Insbesondere welche mit “Hals”.Zum Beispiel “einen dicken Hals bekommen (mein Lehrer sagte früher immer, dass ‘kriegen’ schlechtes Deutsch sei, man sagt ‘bekommen’)”, wenn einen etwas über die Maßen ärgert; oder “einen Frosch im Hals haben”, wenn man nicht mehr richtig sprechen kann, heiser ist oder eine Geschwulst im Hals hat. Dann gibt es auch noch den Wunsch “Hals- und Beinbruch”, der in den seltensten Fällen wörtlich zu nehmen ist.
Obwohl ich einen schon wüsste, dem ich solch guten Wünsche zukommen ließe: Herrn Zumwinkel nämlich. Wer die Medien in den letzten Wochen aufmerksam verfolgt hat, dem wurde auf einmal wieder ein kleines Ländchen in Erinnerung gebracht, welches längs vergessen schien. Eigentlich ist dies kleine Land auch nur denjenigen bekannt, die dort wohnen – das sind ca. 35.000 Menschen – und denjenigen, die etwas Geld haben und dieses gerne an der Steuer vorbei transferieren möchten. Um Liechtenstein geht es, die Steueroase in Europa.
Obiger Zumwinkel, ehemaliger, da zurückgetretener Postmanager, muss sich wohl zu den Geringverdienern gezählt haben, denn er wollte sein mageres Salär (2006 nur geschätzte und schrecklich wenige 3.000.000,- €) nicht auch noch vom Fiskus schmälern lassen. So hielt er sich die Steuer vom Hals, indem er in Liechtenstein ein Konto im Namen einer Stiftung eröffnete, da Stiftungen dort so gut wie keine Steuern zahlen müssen. Schlechte Menschen würden jetzt behaupten, Herr Zumwinkel sei ein Geizhals, dass er den armen Deutschen seine Steuern vorenthalten will; vielleicht haben sie ja recht damit.
Jedenfalls schlug ihm wohl das Herz bis zum Hals, als so mir nichts, dir nichts die Steuerfahndung auftauchte, und bergeweise Akten beschlagnahmte. Es wird ihn sicherlich nicht trösten, dass sich auch noch andere “Geringverdiener” im Visier der Steuerfahndung befinden, weil ein pfiffiges Kerlchen (kann auch ein Frauchen gewesen sein) dem BND eine CD mit lauter Steuerflüchtlingen zugeschanzt hatte. Nicht ganz kostenneutral, allerdings; der BND soll ein paar Milionen dafür auf den Tisch gelegt haben. Nun wird es sicherlich schwer für einige der mutmaßlichen Steuerhinterzieher, den Hals wieder aus der Schlinge zu ziehen. Einige werden gar Hals über Kopf in waghalsigen Manövern versuchen, Gelder in Sicherheit zu bringen – auf den Kaiman-Inseln zum Beispiel. Andere widerum laufen jetzt zur Polizei und zeigen sich selbst als Steuersünder an. Was bedeutet, dass sie eine Strafe bekommen, die etwa der Höhe der hinterzogenen Steuern entspricht. Die haben dann die Sache vom Hals, und können ihren Geschäften weiter nachgehen. Nur das vermeintlich gesparte Geld ist futsch. Mir persönlich hängt es zum Hals heraus, wenn kleine Ladendiebe in den Knast wandern müssen, und den mutmaßlichen Millionenbetrügern fällt man noch um den Hals, weil sie ihre Gaunereien zugegeben haben. Ich wünsche denen die Krätze an den Hals, oder zumindest – angekettet – einen Aufenthalt im Knast, damit wenigstens die Chance auf echte Reue besteht. Aber so einfach wird man sich die “hart an der Armutsgrenze lebenden Großverdiener” nicht vom Hals schaffen können. (Säße Zumwinkel ein, bekäme das Wort Winkeleisen auch eine ganz andere Bedeutungsschwere. Aber der? Immer nach dem Motto: “Kopf hoch, ist der Hals auch dreckig!” Das aber nur nebenbei.)
Einige Verdächtige werden sich bestimmt lauthals beschweren, dass man sie belästigt. Anderen wird wohl das Wasser bis zum Hals stehen, müssten sie Gelder zurückzahlen, die sie längst anderweitig angelegt haben – in Motoryachten, Flugzeuge, Bardamen und so weiter. Die werden den Hals ganz schön recken müssen, wollen sie jemals wieder als brave Bürger anerkannt werden. Mir könnt ihr alle vom Hals bleiben, das sage ich Euch. Moralisch ist das nicht vertretbar und auch kein Sport oder ein Kavaliersdelikt. Letztlich braucht der Staat das Geld, um es sinnvoll auszugeben – für Kampfeinsätze der Bundeswehr in Afghanistan um die wirklich Armen und Bedürftigen im Lande zu unterstützen zum Beispiel.
Aber nein, das interessiert Euch nicht die Bohne, das halst ihr dem Staat auf. Hauptsache Ihr und Eure Nachkommen bis in die x-te Generation müssen niemals darben.
Ich glaube aber, dass ihr einfach nur den Hals nicht voll kriegt (ich schreibe es jetzt doch; Entschuldigung, Herr Braune!)!
Tags: Sprache, Steuern, Zumwinkel
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