Montag, März 29th, 2010
Es erfordert schon immenses Vorstellungsvermögen, unseren Staatshaushalt zu begreifen. Das liegt unter anderem daran, dass da so viele Nullen mit im Spiel sind. Und das kann man so oder so sehen – und hat immer Recht.Um diese ganze Misere begreiflich zu machen, greife ich zu einer List: ich streiche einfach die Nullen weg (wenn das so einfach wäre …). Dann kommen dabei Zahlen heraus, die sogar der „normale Ottoverbraucher“ versteht.
Also: Die diesjährigen Ausgaben der BRD betragen 327 Euro (wir erinnern uns: nix Nullen). Und weil ja in der Geschichte der BRD noch kein Politiker je mit Geld umgehen konnte, summiert sich seit 1949 die Staatsverschuldung auf 1.700,- Euro. Aber, wir sind ja der Wirtschaftsgigant in der EU. Uns geht es ja so gut!!! Wir haben nämlich auch Einnahmen. Zum Beispiel aus Steuern. Die betragen voraussichtlich 214,- Euro. Und noch ein paar Kröten, die unter der Rubrik „Sonstiges“ hereinkommen (nein, nicht die Parteispenden, die bleiben allein den Parteien) in Höhe von ca. 27,- Euro. Das macht zusammen – uuups – ja nur 241,- Euro. Wir brauchen doch aber 327,- Euro. Also benötigen wir einen Kredit von 86,- Euro. Und im Gegensatz zu oben erwähntem „normalen Ottoverbraucher“ bekommt unser rollender Finanzvernichter natürlich den Kredit, obwohl er ja schon 1.700,- Euro Schulden hat und nur 241,- Euro hereinkommen. Von denen die Zinsen für den dann auf 1.786,- Euro gestiegenen Schuldenberg aufgebracht werden müssen. Tilgung? Gar nicht dran zu denken.
Allein die Trösterin der Witwen und Waisen, die ehemalige Zensursula und jetzige Ministerin für Arbeit und Soziales bekommt aus dem Haushalt 147,- Euro (ihr Vorgänger kam mit 124,- Euro aus), und die geburtenstarken Jahrgänge kommen erst. Die Zinsen für die Kredite fressen allein 41,- Euro auf, sodass die beiden Ministerien alleine schon 188,- Euro benötigen. Und die anderen 14 Ministerien wollen auch was haben. Schließlich spielen wir ja auch Krieg, und Wohltäter natürlich auch. Die armen Banken, die sich in die Bredouille geritten haben, müssen schließlich großzügig unterstützt werden. Wäre ja nicht auszudenken, wenn deren Manager mit ein paar Millionen im Jahr weniger auskommen müssten (allein der Herr Ackermann, seines Zeichens Chef der Deutschen Bank, bekommt geschätzte 0,01 Euro Jahresgehalt; die sieben fehlenden Nullen müssen Sie sich dann wieder dazu denken, das Komma weglassen und die eins vorne dran stellen; na gut, ich will mal nicht so sein: 10.000.000,-).
Nun müssen die anderen aber zusammen mit 53,- Euro auskommen. Damit sind die natürlich nicht zufrieden, und möchten auch gerne mehr Geld haben. Leider wachsen die Einnahmen nicht so schnell, wie die Ausgaben. Und da haben unsere Politiker eine tolle Idee: Steuersenkungen! Leuchtet Ihnen das auch so ein wie mir? Es soll quasi so funktionieren, dass durch die Senkung der Steuern die Wirtschaft angekurbelt wird, da ja alle mehr Geld haben und somit auch mehr kaufen können, und dadurch haben wir dann das ersehnte Wachstum. Hat in der Vergangenheit noch nie funktioniert, wird es auch in Zukunft nicht. Die Aussichten sind also mehr als übel. Und wenn Onkel Wolfi fürderhin auch noch sieben Prozent Zinsen (wie zum Beispiel Griechenland) statt drei Prozent auf die 1.786,- Euro Schulden zahlen müsste, dann kann er sich gleich auf den Weg in die Insolvenz machen.
Zur Not könnten wir aber auch ein paar Inseln verkaufen, so wie man es den Griechen vorgeschlagen hat. Sylt ist bald sowieso nicht mehr da, da können wir vorher auch noch einen schnellen Euro machen. Und Helgoland? Wer braucht schon Helgoland? Auf der Fähre wird eh allen immer schlecht.
Am Besten ruft der Schäuble mal den Peter Zwegat von RTL an. Den Schuldnerberater der Nation. Dann macht RTL eine Doku-Soap draus („Schäuble 5, und der Zwegat macht sich auf die Strümpf“ oder so ähnlich), und vermarktet die europaweit zu horrenden Summen, die dann wieder in die Staatskasse zu fließen haben. So könnten wir es schaffen, aus der Schuldenfalle herauszukommen. Wobei auch das Auge etwas davon hätte, denn bei Schäuble zu Hause und im Ministerium sieht es bestimmt nicht so heruntergekommen aus, wie bei Zwegats Stammkunden. Zudem hätten unsere europäischen Nachbarn mal ordentlich was zu lachen, und das ist schließlich gesund. So tun wir auch noch etwas für deren Gesundheitskassen. In der BRD sieht’s da ja eher schlecht aus. Kopfpauschale, ick hör dir trapsen. Aber das sind ja keine Steuern, das sind Abgaben. Und Raider heißt jetzt Twix, sonst ändert sich nix.
Tags: Neuverschuldung, Politiker, Sarkasmus, Satire, Schäuble, Steuern, Zwegat
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Montag, Januar 25th, 2010
Das Jahr fängt ja gut an: Erdbeben in Haiti mit tausenden von Toten, derweil führt das Handwerk in Deutschland eine Image-Kampagne für sich durch, in der ein Fernsehspot zeigt, wie eine ganze Stadt zusammenfällt. Doll gelaufen Kumpels, da wird einem schon ganz blümerant beim Zuschauen. Zehn Millionen Euro Werbeetat versenkt, die ihr besser bei mir hättet anlegen sollen.Na, aber in der Politik, da geht doch was, oder? Genau, die Steuererleichterungen kommen, nur weiß man noch nicht so genau wann, außer, dass sie in diesem Jahr nicht mehr kommen. Nach dem Krisengipfel neulich stürmten alle Politiker kommentarlos unlächelnd aus dem Kanzleramt, was sicherlich für eine harmonische Einigung spricht.
Zudem wird es wohl Zusatzbeiträge zur Krankenversicherung geben. Da bin aber sowas von steuererleichtert (oder heißt es „um Steuern erleichtert“?).
Und was macht die FDP? Die wird doch sicherlich für uns Bürger sorgen! Nun ja, erst mal macht sie Schlagzeilen. Damit, dass sie nicht für die Bürger, aber für sich selbst gesorgt hat, indem sie Millionenspenden von einem Hotelmulti entgegennahm. Wer jetzt vermutet, es bestünde irgendein gearteter Zusammenhang mit der Senkung der Mehrwertsteuer für das Übernachtungsgewerbe, der ist aber böse, böse, böse! Absurd wäre das, meint Westerwelle. Nun ja, was machen Schweine am Trog? Sie fressen! Also kann man denen auch nicht böse sein, das ist einfach ein Reflex. Ein politikenttäuschter Mensch entwarf sogar einen neuen Werbeslogan für die Möwnenpick-Partei: FDP – There’s no better way to lie. (Quelle: www.twitter.com/zynaesthesie)
Aber unsere Kanzlerin, die sorgt doch für ihre Schäfchen, oder? Nur leider ist sie in letzter Zeit nicht in Erscheinung getreten; einige Zeitgenossen fragen sich, ob sie noch unter den Lebenden weilt, oder beim „für Schäfchen sorgen“ eingenickt ist.
Aber bei den Linken, da lafontainet es doch immer so herrlich bürgerfreundlich, da muss doch was gehen. Da wird auch was gehen, im Mai, wenn es nach den Herren Gysi und Lafontaine geht, nämlich der Parteivorsitzende Bartsch, der es gewagt hat, dem armen, kranken Lafontaine lauwarm ans Bein zu pieseln. Die sind also mehr mit sich selbst, als mit Politik für uns arme (im Sinne von mittellos) Bürger beschäftigt.
Aber einer, der geht voran, und holt den eisernen Besen raus, mit dem er jeden Hartz-IV-Empfänger in eine Beschäftigung gleich welcher Art kehren will, Roland Koch, der hessische Ministerpräsident: „Wir müssen jedem Hartz-IV-Empfänger abverlangen, dass er als Gegenleistung für die staatliche Unterstützung einer Beschäftigung nachgeht, auch niederwertiger Arbeit, im Zweifel in einer öffentlichen Beschäftigung“ (Quelle: Spiegel Online). Also, liebe Hartz-IVer, raus aus der Hängematte, jetzt werden die öffentlichen Klos geputzt! Aber mit der Zahnbürste, der eigenen, versteht sich, damit das auch ein wenig dauert. Was? Sie haben Kunstgeschichte studiert und können gar nicht putzen? Egal, dann malen Sie! Und zwar die Hörsäle in der Universität an! Mit Borstenpinsel, Größe 6, gell! Und, liebe Hartz-IVer, von so einer kleinen Bombenattrappe läßt sich ein Koch nicht abschrecken, da müsst Ihr schon aufrüsten. Vielleicht mit einer Bonbonattrappe?
Aber irgend einen Lichtblick für das neue Jahr muss es doch geben!
Was ist mit der Kirche? Die evangelische Landesbischhöfin und EKD-Vorsitzende Margot Käßmann wendet sich in Ihrer Neujahrspredigt wenigstens gegen den Krieg in Afghanistan – und bekommt dafür vom Ministerpräsidenten Wulff gleich einen auf die Omme. Nicht wörtlich, natürlich.
Lieber Herr Wulff, da sagt die einmal was Vernünftiges, und dann ist es auch wieder nicht Recht.
Und was ist mit der Krise? Die bleibt. Wenigstens noch eine Weile.
Und Schäuble forderte in einer Blut- und Tränenrede Einsparungen in Milliardenhöhe. Also nix mit Steuersenkungen.
Na gut, aber wenigstens das Wetter soll toll werden in 2010. Wobei es momentan eher so aussieht, dass sich unsere Heizkosten verdoppeln werden in diesem Jahr, will man sich daheim nicht den Pöter abfrieren. So viel dann zur Klimaerwärmung. Da passen ja auch die Eisberge, die man mittlerweile vor Rügen gesichtet haben soll. Titanic, ick hör dir schippern. Wer also an Inkarnation glaubt, der sollte sich vielleicht so was wie Eisbär oder Pinguin vorstellen. Oder Westerwelle, immer schön warm und finanziell kuschelig.
Tags: Die Linke, FDP, Kanzlerin, Merkel, Satire, Schäuble, Westerwelle
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Mittwoch, September 2nd, 2009
Utopie? Nein, das ist die Schäuble-Welt, in der wir leben. Und erst der Anfang.
Tags: Schäuble, Überwachungsstaat
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Montag, August 17th, 2009
… kann ja so einiges. Zur Not auch man selbst. Nur fordert das in der Regel keine größeren Konsequenzen; außer vielleicht einen eingeschlafenen Arm oder ein ebenso taubes Bein. Allerdings sollte man bei Frau Merkel nichts rumliegen lassen, dann ist sie nämlich umgehend zur Stelle: “Es kann nicht sein, dass der Computer und die darin liegende Festplatte ein Raum sind, wo der deutsche Rechtsstaat sagt, da greifen wir nicht zu (Dr. Angela Merkel, Bundeskanzlerin).”So verlautete sie in der letzten Woche im ZDF1. Nun frage ich mich natürlich, wie ich meine persönlichen Daten auf meinem PC vor Frau Merkel in Sicherheit bringe: wie zum Beispiel die Nacktfotos meiner Nachbarin, die Liebesgedichte an Frau “Nur-sieben-Jahre-Pauli”, die Zugangsdaten für das schweizer Bankkonto und meine Teletubbies-Sammlung? Letztlich liegt das alles ja auch nur “so rum” auf meinem PC. Ganz zu schweigen von den vielen Artikeln, in denen ich eventuell etwas zu ehrlich war, mit meiner Meinung über den einen oder anderen Politiker. Ich traue mich auch gar nicht, die Suchfunktion des Rechners zu benutzen, um nach “Bombe” zu suchen, aus Angst, ich könnte fündig werden (ich hatte mal ein Rezept von einer Eisbombe auf dem Rechner gespeichert; wo, werde ich wohl jetzt nicht mehr herausfinden). Was ich allerdings nicht verstehe ist, warum Frau Merkel in China war und dort die Menschenrechte angemahnt hat? Gibt’s die nur für Chinesen?
Ganz recht geschieht es ihr da, dass die Chinesen sie jetzt als “Hexe” bezeichnen dürfen. Von höchster Stelle abgesegnet! Nicht, weil sie auf meinem Computer umherschnüffeln möchte, sondern weil sie den Dalai Lama in Deutschland persönlich in Empfang genommen hat. Sie hat sogar mit ihm geredet: über Menschenrechte, unter anderem.
“Liebe Frau Merkel!
Da ich glaube, dass sie ein Tagebuch führen, und da ich weiterhin glaube, das dieses bei Ihnen rumliegt, hätte ich gern die Ausgaben von 1988 bis 2006. Falls dort Intimitäten mit einem gewissen Herrn Broccoli, auch genannt Apfel2, geschildert sind, können Sie diese Seiten gerne herausreißen – mir wird sonst vielleicht übel.
Weiters fügen Sie bitte aktuelle Kontoauszüge und Zugangsdaten für Ihr Online-Banking inklusive aller Passwörter bei. Da das bei Ihnen, wie bei allen anderen Menschen in diesem Lande genau so rumliegt, wie die Festplatten in diversen Rechnern, möchte ich doch gerne zugreifen. Ich bin zwar nicht der deutsche Rechtsstaat, allerdings habe ich die gleiche Legitimation wie dieser (zumindest nach Ihrer Rechtsauffassung), mich an privaten Daten zu vergreifen.
Haben Sie bitte Verständnis dafür, dass ich Ihnen das Porto nicht erstatten kann, da meine Festplatten gänzlich gelöscht und sämtliche Zugangsdaten für meine Konten somit unbekannt sind.
In Erwartung Ihrer spannenden Lektüre verbleibe ich,
mit freundlichen Grüßen
Ihr Gerhard Schröder3”
Dieses Brieflein können Sie gern als Musterbrief notieren (nur nicht auf Ihrem Computer abspeichern!) und bei Bedarf an unsere – um die Menschenrechte besorgte – Kanzlerin schicken. Nur eins vorweg: Ich habe zuerst gefragt!
Tags: Kanzlerin, Menschenrechte, Merkel, Schäuble, Überwachungsstaat, von der Leyen
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