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Gertrud sacht – 8

Dienstag, Januar 26th, 2010

Gertrud_KopfAlso irgendwann isses soweit, da werdich rammdösich innen Kopp, wenn das so weiter geht mit der Schneierei.

Brauchste nich glaubn, dass mein Oller die Schneeschüppe schwingt, nee, nee, das muss ich dann machen, der Herr Hochwohlgeboren könnte sich ja ne Blase anne Finger holen. Wenn der abends sieht, dasses zum schneien anfängt, dann steht der nämlich extra ne Stunde früher auf. Nich zun Schneeschüppen, nee, zun vorher abhauen. Und ich steh dann da, mitter Schüppe, und muss den seine Männerarbeit machen. Und unser Nachbar, der wartet nur drauf, bissich wieder an schüppen bin, dann kommter gleich dazu, macht den Henkelmann, also mitte Arme inne Hüften gestemmt, und gibt mir wohlmeinende Ratschläge, wie ich die Schüppe halten muss, wo ich den Schnee hinschüppen soll, wie ich an schnellsten und effektivsten die Einfahrt freischüppe und guter Ratschläge mehr. Neulich hatter sich sogar ganz besorcht erkundicht, oppich denn unterwärts auch warm angezogen wäre, bei den 18 Grad minus. Das ging mir dann aber doch ein bisschen zu weit, da musstich ihn erstma klar machen, dass wenner sich über Unterwäsche unterhalten will, das doch lieber mit seiner Frau machen soll (die mittlerweile gegenüber auch an Schneeschüppen is, natürlich ganz nach Plan vonnen Ollen). Soweit hamwas nu gebracht mitter Emanzipation, die Frauens müssen Schneeschüppen, und die Männers stehen daneben und geben dumme Ratschläge.
Noch schlümmer isses ja, wenns meinem Ollen in den Kopp kommt, und er kochen will, fürre Familie. Da wird jedes Spiegelei zur kulinarischen Herausforderung für den. Also unter Szechuanpfeffer und schwarzen Meersalz aus Hawaii macht der das dann nich. Da sind die Gewürze teurer als das Ei. Das is dasselbe, als wennich in unsern 18 Jahre alten Kadett Schell Wiepauer tanke. Der sacht dann „danke, Tanke“ und läuft auch nich schneller. Letzte Woche hat mein Angetrauter ein ganzes Menü für uns gekocht: Klare Ochsenschwanzsuppe mit Madeera, Jakobsmuschel gegrillt, auf Friseesalat mit Balsamessig, Kalbsfilet in Wacholderrahm auf Blattspinat und als Nachtisch Krem Brüllee. Nachdemer also den Lebensmitteletat vonnen ganzen Monat an einen Tach verbraten hat, konntich dann aunoch fünf Stunden inner Küche stehen und die 37 Töpfe und Pfannen abwaschen und den fetttriefenden Fußboden schruppen. Noch dazu hatter für die dusselige Krem Brüllee mittn Bunsenbrenner die geerbte, selbstbestickte Weihnachtstischdecke vonner Omma angekokelt. Man gut, dass die das nich mehr miterleben musste. Aber die Krem, die war der Brüller.
Jetzt binnich aber ganz abgekommen vonnen Wetter. Das is nämlich immer noch kalt. Das hat dann unsere Heizung auch gleich gemerkt, und den Dienst eingestellt, gestern. Innen Sommer läuft die immer einwandfrei, nur den Winter, den mag se nich. Und weil se sich mal so richtich was gönnen will, braucht se jetz einen neuen Heizkessel. Nächste Woche, soll der dann auch gleich, sofort eingebaut werden, sacht der Monteur. „Toll“, sach ich zu ihn, „und wer soll mich bis dahin warm halten, dassich bein Schneeschüppen nich ausfalle?“ Und mit Eiswürfel waschen, hab ich ja auch nich so drauf. Heizlüfter sollich solange inne Wohnung stellen, hatter gesacht, und mit son Wasserkocher das Wasser warm machen. Jo, Meister, und mit dem sich wie irrsinnich drehenden Rad innen Stromzähler treibe ich dann den Ventilator an, der die warme Luft innen Haus verteilt, was?
Sollte mir also noch ma jemand kommen, und vonne Klimaerwärmung faseln, ne, der wird mit Schneeschüppen nich unter drei Wochen bestraft. Und mein Nachbar, der macht den Schiedsrichter. Der darf sich dann auch nache Unterbüxe erkundigen.

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