Montag, August 17th, 2009
… das Geschreibsel der so genannten „Experten“ zum Amoklauf von Winnenden. Wäre es nicht ein blöder Anglizismus, könnte man es größten Teils auch „Bullshit“ nennen, was in den Medien dieser Tage dazu erscheint. Nicht, dass wir dafür kein deutsches Wort hätten, aber Bullenscheiße darf man ja nicht schreiben, das wär ja Fäkalsprache.Da läuft also dieser Tim K., ich werde ihn der Einfachheit halber nachfolgend Tim K. nennen, Amok, und kaum einen Tag später wird in den Medien der wahrhaft Schuldige ausgemacht und angeprangert. Also je nach Gusto ist es mal der Frauenhass (Alice „im Wunderland“ Schwarzer), oder das „Killerspiel „World of Warcraft“ (Christian Pfeiffer vom Kriminologischen Forschungsinstitut Niedersachsen, derselbe, der sich schon bei dem Sebnitz-Fall mit seiner „Expertise“ geirrt hatte, in dem er behauptete, Rechtsextreme hätten im Schwimmbad von Sebnitz in der sächsischen Schweiz, unter dem Beifall der übrigen Besucher den 8-jährigen Joseph Kantelberg-Abdullah ertränkt. Er ist leider „nur“ an einem Herzfehler gestorben.) Ich spiele ja kein „World of Warkraft“, ich weiß aber soviel, dass es sich hierbei um ein Aufbau-Strategiespiel handelt, bei dem man so mörderische Tätigkeiten erlernen kann, wie Minen aubeuten, Leder verarbeiten, Edelsteine schleifen, Häuser bauen und so weiter. So ähnlich wie bei den Siedler-Spielen halt. Ab und an gibt’s schon mal eins auf die Omme, aber bei „Mensch ärgere Dich nicht“ wirst Du ja auch rausgeschmissen. Rasend gefährlich für Jugendliche, das Ganze. Für mich hat das Spiel mit einem Killerspiel ebensoviel gemein, wie „Das Dschungelbuch“ mit einem Hardcore-Porno. Aber so ist das halt, es muss ja einen Grund haben, warum Tim K. losgeht und Leute erschießt. Und je nach dem, was ich von Beruf bin, denke ich mir was aus. Die Frauenrechtlerin (nicht, dass das ein Beruf wäre) begründet das mit Frauenhass, der Kriminologe mit Killerspielen. Der Friseur nähme vielleicht einen schlechten Haarschnitt an, der Fußpfleger eingewachsene Zehennägel, und der Koch vermutete, dass das Essen ihm nicht geschmeckt habe. Der Malermeister könnte anführen, dass das „Kinderzimmer“ zu rot gestrichen sei, denn rot mache ja aggressiv, siehe Stierkampf, der Blumenhändler schöbe es auf die Erika.
Es könnte aber auch sein, dass Tim K. einfach zu viel Zeitung gelesen hat. Bei so viel Unsinn, der dort häufig zu lesen ist, bekommt man schon mal einen „Rotlauf“. Vermutete der Qualitätsjournalist.
Meine Vermutung ist eher die mangelnde Sensibilität im Elternhaus, das Nichterkennen der Probleme des Heranwachsenden. Kann natürlich auch völliger Blödsinn sein. Bestimmt sind die Eltern die besten und sensibelsten auf der Welt, und haben sich immer rührend um den Kleinen gekümmert. „Das Timmilein möchte gerne mal ein bisschen schießen? Natürlich, kein Problem. Pappi zeigt Dir, wo verbotener Weise die Waffe liegt, und die Munition dazu.“ Kann ebenfalls völliger Quatsch sein, man weiß es halt nicht genau. Aber das ist ja das Vermaledeite, dass man nicht den Finger darauf legen kann. Wo wir doch im Zeitalter des „Aufklärungsfanatismus“ (Quelle: Harald Staun, FHS) leben. Nur bringt das niemanden wieder zurück. Prävention wäre jetzt die geeignete Maßnahme. Brauchtum hin oder her, Waffen haben im Privathaushalt nichts zu suchen, schon gar nicht unverschlossen im Schlafzimmer. Mit einem Taschenmesser oder einer Wasserpistole ist nun mal schlecht Amoklaufen. Irgendein unsinniges Verbot von vermeintlichen Auslösern wie Killerspielen etc. macht doch diese gerade erst richtig interessant. Man könnte natürlich auch, um den Waffenbesitzern nicht allzusehr auf den Schlips zu treten, kleine Aufkleber auf die Waffen machen, wie bei den Zigarrettenschachteln. „Schießen kann tödlich sein!“ oder „Baller nicht, Mann; fahr lieber auf den Ballermann!“ Wird aber nicht fruchten. Helfen wird nur ein generelles Verbot des Waffenbesitzes. Waffen gehören in die Hände von ausgebildeten Fachleuten, wie unseren Ordnungshütern zum Beispiel. Blöd wäre dann nur, wenn ein Polizist zu viel „World of Warcraft“ spielte, keine Frauen mag, eingewachsene Zehennägel hätte, eine Scheißfrisur, ein rotes Wohnzimmer, lauter Kakteen auf dem Fensterbrett und den ganzen Tag Labskaus äße. Für den läge ich meine Hand dann nicht ins Feuer. Echt nicht.
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Montag, August 17th, 2009
Was hat unsere schöne Sprache nur an sich, dass kaum einer sie noch wirklich schön sprechen oder gar schreiben möchte? Es wird nicht mehr kunstvoll erzählt und geschrieben, sondern aus dem großen Phrasentopf geangelt, dass es mitunter seltsame Blüten treibt (gemerkt?).Auf einleitende Formulierungen wie „Ich denke mal …“ folgt mit ziemlicher Sicherheit hirnbefreiter Blödsinn. Auf die Schnelle zusammengezimmert und aus den Hirnwindungen gequetscht, kommen Sätze dabei heraus wie: „Ich denke mal, ich frag einfach mal jemanden der sich damit auskennt.“ An welcher Stelle des Satzes gedacht wurde, erschließt sich da nicht so recht. Da ist mir die Vorwarnung „Ich sage mal …“ doch noch lieber, denn da weiß ich mit Sicherheit, ich habe vor der als ultimative Weisheit verkauften heißen Luft, die dem Munde des Sprechenden entfleucht in Deckung zu gehen. Bildlich gesprochen, natürlich.
Wenn aber auch Profis, sprich Journalisten (2003, öffentlich-rechtliche Rundfunkanstalt, München), nicht mehr wirkliches Deutsch sprechen, sondern phrasierend durch die Gegend schwafeln, und solche absurden Bilder dabei heraus kommen wie „In Frankreich sterben die Alten derzeit weg wie die warmen Semmeln.“, dann sollte man eventuell den Bäcker wechseln, und „sich ernsthaft Gedanken machen“.
Genau! „Und der Krug geht solange zum Brunnen, bis das Kind verbrannt ist!“ (Heinz Erhardt, und zwar mit voller Absicht!)
Es lassen sich beim Lesen der Zeitungen, beim Fernsehschauen oder beim Zuhören die wundersamsten Phrasen hören. Da werden schon mal „Neger mit Köpfen“ gemacht, was nur so lange lustig ist, wie Obama nicht mit an der Gesprächsrunde teilnimmt. Der „normale Ottoverbraucher“ stellt dann auch schon mal „sein Licht unter den Schemel“. Damit er der Melkerin besser unter den Rock gucken kann? Dass der dann mal nicht „zur Salzsäure erstarrt“, ob des sich bietenden Anblicks. Nun ja, vielleicht übertreibe ich auch ein wenig, und „schieße mit Tauben auf Spatzen“, andererseits: „Lieber `ne Stumme im Bett, als `ne Taube auf dem Dach“ (und wieder Heinz Erhardt, der schon in den 50ern die sprachliche Misere erkannt und zur (Stil-)Blüte gebracht hat).
Kaum ein Zeitungsartikel, der nicht vor gelangweilt dahingekritzelten Phrasen stinkt, „wie der Fisch am Kopf“. Eine bekannte Lokalzeitung im Hessischen eröffnet sogar eine Kolummne für ihre Redakteure mit solch einer Phrase – „Wenn Sie mich fragen …“ – damit diese ihre „eigene Meinung der Dinge“ absondern können, sollen, müssen. Das Ergebnis klingt etwa so: „… war das eine gelungene Veranstaltung“, „… ist eine Bereicherung“ oder “… ist es schade um die verlorenen Arbeitsplätze”.
Phrasen über Phrasen: „Bei Kaiserwetter wurde unter freiem Himmel gefeiert bis tief in die Nacht. Einige mutmaßlich angetrunkene Randalierer konnten die Partylaune der Gäste nicht trüben, auch wenn so einige Zähne auf der Strecke blieben.“ Da wäre man doch gerne dabei gewesen, nicht? Ist zwar nur erfunden, könnte so aber in fast jeder beliebigen Lokalzeitung stehen, na ja, fast.
Und unsere Politiker? Die machen mit: „Unsere Realwirtschaft wird in Mitleidenschaft gezogen.“, so Peer Steinbrück am letzten Donnerstag zur Bankenkrise (zur “Fiktivwirtschaft” konnte und wollte er wohl nichts sagen), die auch nach Deutschland überzuschwappen drohte, und mittlerweile angekommen ist. Weiter meinte Steinbrück: „Wir müssen uns in nächster Zeit auf niedrige Wachstumsraten und – zeitlich verschoben – eine ungünstige Entwicklung auf den Arbeitsmärkten einstellen.“ Was er uns durch seinen Phrasendjungel hindurch sagen möchte: Den Bürgern des Landes wird es in absehbarer Zeit schlechter gehen als jetzt. Schuld daran sind die Investmentbanken in USA und Deutschland, die jetzt hinter unseren Steuergeldern her sind wie „Moppel hinter den Graupen“, weil sie sich heftig verspekuliert haben.
Was Aktuelles aus Einbeck gefällig? „Das Highlight des Einbecker Eventkalenders ist mal wieder im Kommen!“ (Ich sage nicht woher das ist – aus Rücksicht.) Und wenn das Highlight so ankommt, dann müssen wir hoffentlich nicht in Deckung gehen.
Aber auch die „Großen“ können das: „In der vergangenen Woche musste der Handel an der russischen Börse sogar ausgesetzt werden, weil die Kurse so rasant ins Bodenlose stürzten. … Trübe Stimmung am Schwarzen Meer. Bis die Sonne durchbrach und von der Börse plötzlich Jubelmeldungen kamen.“ (aus zeit.de)
Schon vor 125 Jahren prophezeite uns Friedrich Nietsche: „Noch ein Jahrhundert Zeitungen, und alle Worte stinken.“
Das „schoss mir nur mal so durch den Kopf“ …
Tags: Deutsch, Journalismus, Phrasen, Sprache
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