Mittwoch, August 19th, 2009
Wie Se sicherlich noch wissen, war ich ja inner Klinik, wegen meine Füße. Also die gute Nachricht: Füße sind noch dran! Sonst hat sich nix geändert. Aber machen wa mal weiter, wo wa´s letzte mal stehen geblieben sind: bein Röntchen.Der Zivi, der mich netterweise mitten Rollstuhl inne Röntgenabteilung geschoben hat, verabschiedete sich mit “Alles Gute” – aber ich hab da nich recht dran geglaubt. Abgestellt hatter mich neben eine Stuhlreihe und ein Bett mit einer sehr alten Frau mit ohne Zähne im Mund, und lauter Schläuche aus den ausgemergelten Körper schlängelnd. An der rechten Seite von den Bett hing ein Urinbeutel – bis oben hin voll, versteht sich; an der linken Seite so ein großer Beutel mit eine klare Flüssigkeit, die hat geblubbert und gedampft, als wie sonne Nebelmaschine. Na ja, vielleicht hatte die Dame ja Disco im Darm, man weiß es ja nich. Aufe Bank an meine grüne Seite saß ein Herr in den besten Frauenjahren, also so umme 60. Grau meliertes Haar, Ritschad-Gieriges Gesicht, schwarze Lackschuhe, schwarze Socken, lockeres kariertes Hemd und LILA Jogginghose. Ich mein, die Farbe, kann man nich drüber streiten, is Geschmackssache; aber die eingetrockneten Flecken inner Gegend von den sein schon bessere Tage gesehen habenen besten Teil, das geht ganich. Dazu stolzierte der da rum, als hätte den die Klinik gehört. Rumstolziert is dann auch noch eine andere Dame. Natürlich nich nur stolziert, sondern auch mit ihren Mann lauthals am Beschweren, dass das hier so lange dauert. Dabei hatte se eine Hand immer hinten in der Jeans. Hatte zwar kein Hintern inner Hose, aber die Pfote bis anne Kimme. Ich frach mich noch heute, was die da festgehalten hat. Als ich denn endlich – nach eineinhalb Stunden – dran war, hat son junges Ding meine Füße geröncht, was nich länger als zehn Minuten gedauert hat. Die hat sich anschließend für meine Geduld bedankt. Dabei hattich gar keine. Apropos junges Ding: Was hier inne Klinik so als Ärzte rumläuft, is schon erstaunlich. Bei manchen hat man das Bedürfnis, denen ein Lolli anzubieten, ehrlich. Dann fuhr mich ein etwas älterer, netter Herr zun Echolot, oder so. Wegen den Herzen. Warum weiß ich nich, denn mit den hatte ich ja nix. Musste der Doktor dann auch gleich einsehn. Und danach war ich eine ganz Mutige: Ich hab auf den Fahrdienst verzichtet und wollte selber den Rolli auffe Station fahren. Ich hatte natürlich noch die ganzen Unerlagen und Befunde dabei, und mit denen inner Hand, kann man ja nich Rollstuhl fahrn, außer immer im Kreis rum. Also hab ich das Papierkrams hinter mich in Sitz geklemmt, und bin losgerollert. Se glauben gar nich, wie schwer und anstrengend das is. Nu ja, nach gefühlten fünfeinhalb Kilometern und eine Fahrstuhlfahrt bin ich endlich angekommen. Schlecht war nur, dass die Unterlagen wech warn. Die hab ich Esel woll im Rollstuhlgalopp verlorn. Da waren dann die Schwestern erste mal auf Suchlauf. Ham sich aber wieder angefunden, beides, Schwestern und Unterlagen, sonst hättich den Tach noche mal wiederholen müssen, wie bei “Und täglich grüßt das Murmeltier”. Höchststrafe wär das gewesen, sach ich Ihnen (ich krich die lila Hose nich mehr aussen Kopp, glauben se das? Pfui Spinne!). Den nächsten Tach, was dann der Mittwoch war, hab ich quasi aktiv kommen sehen, weil meine Zimmerkeucherinnachbarin alle Stunde nache Schwester geklingelt hat, damitse ihr bein Husten hilft. Das reinste Guantanamo, echt. Wenn das nich gegen die Genfer Konvenionen verstößt, dann weißich nich. Den Tach verbrachte ich dann mit Lesen, denn außer Blut abnehmen, Blutdruck messen und nach meinen Stuhlgang erkundigen, haben die nix gemacht. Der ganze Tach also verschenkt. Apropos Stuhlgang: Wenn se inner Klinik in Göttingen mal müssen, also groß jetzt, dann achten Se mal auf das Klopapier: so ca. 15 mal 15 cm kleines Papierchen, so dünn, dasse schon fünf übernander legen müssen, damit sich die Finger nich pur da wiederfinden, wo die Sonne nich hinscheint. Deshalb hat sich meine Zimmernachbarin auch immer hinterher den Pöter gewaschen, weil der mit den Papier nich sauber zu kriegen war. Was ich ja grundsätzlich gut finde, also das Waschen. Wenn aber das Waschbecken links neben der Eingangstür is, nur durch einen Vorhang – der natürlich nich zugezogen war – vonner Außenwelt getrennt, dann wird einen doch ganz anders, kommt man nix ahnend durche Tür und blickt auf schneeweiße Hängebacken mit Hand und Waschlappen inner Mitte. Und die auffen Gang haben auch noch was davon. Hoffentlich krieg ich hier keine Alpträume … Am Donnerstach wolltense schon wieder Blut haben. Son junger fescher Praktikant (der hatte auf dem Namensschild vor seinen Namen BP stehen, was für Block-Praktikant stand; ich dachte erst, der war vonner Tankstelle, so oft der mein Blut haben wollte) zapfte mich an, und machte so drei bis vier Röhrchen voll. Danach ging ich mir einen Kaffee holen – man muss ja wieder auffüllen – schon stand der Jüngling wieder da, und wollte nochmal Blut haben. Die Anweisung sei eben gerade erst gekommen, bat er um Entschuldigung. Nun stand ich bein Kaffeeholen aber an der Stationszimmertür und bekam mit, dass ein für mich bestimmtes Röhrchen bein anderen Patienten einsortiert war. Der krichte ´n Kopp, wie ne belgische Fleischtomate, als ich ihn meine Beobachtung mitteilte.\r\nWas mich wieder aufs Essen bringt. Den Abend gab es Brot, eine Scheibe Käse und „Putenmedaillon“. Das Putendingens hätte man gut und gerne als Unterlegkeil für LKW nehmen können. Meine Nachbarin hat sich dann beim Schneiden auch fast die Hängebrust amputiert. Da musste ich ein Stück von meiner mitgebrachten Mettwurst opfern. Nich laufen können, und dabei auch noch hungern, das geht ganich. Am Freitach durfte ich dann nach Hause, mit einer Therapie-Empfehlung, die ich dankend abgelehnt habe: Cortison und Chemo. Die Diagnose teilte man mir ers mit, als ich nachgefracht hatte. Da nahm ich mir vor, im Stadtkurier bei den alternativen Heilmethoden (habe alle Ausgaben gesammelt, man weiß ja nie, wofür das gut is) was Besseres zu suchen. Und als ich dann nach Hause kam, was soll ich Ihnen sagen: der Müll stand immer noch inner Küche …
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Mittwoch, August 19th, 2009
Anspringen tun sie mich -schon bein Öffnen des Thermodeckels – die Aromas und die Geschmacksverstärker inne Gemüsesuppe mit Frühlingskräutern drinne.Wer kommt auch schon aufe Idee, mitten innen Herbst drin, Frühlingskräuter sammeln zu wollen? Die vonner Uni-Klinik in Göttingen natürlich. Viel hamse aber nich gefunden, da warn nur ein paar Schnippsel Petersilie drin, die man als frisch bezeichnen könnte. Und weil ich ja so marode bin, gabs auch noch einen Fitnesssalat! Mit Balsamicodressing, was ein besseres Zuckerwasser war. Der Fitnesssalat, na, reden wa nich drüber. Ich kann von Glück sagen, dass ich vorgesorcht habe und von mein Olivenölkontor ein Fläschchen von mein Lieblingsöl inner Unterwäsche versteckt hatte (die Mettwurst war inner Jogginghose, davon aber später ). Wie Se sicher schon gemerkt haben, binnich innen Krankenhaus. Weil ich nich laufen kann mitte Füße. Und weil mein Männe den Müll nich dauernd runterbringen will, hatter gesacht, ich soll das ma untersuchen lassen. Schwupps, hatten se mich inner Klinik, weil meine Hausärztin und der Rheumafuzzi nix gefunden ham. Ganz früh solltich kommen, weil da grad eine Untersuchung angesetzt war, son Magnetdingens. Da war ich natürlich überpünktich aufe Station. Hat nur nix genützt. Die wussten von nix. Da stand ich nun wie ein Heimkind mit wehe Füße. Schließlich konnte sich doch noch jemand entsinnen, dasser Wochen vorher angerufen hat, und mir einen Termin für heute machte, den er dann aber nich eingetragen hatte. Desdawegen gabs auch kein Bett für mich auffer Station. Musste ich auf ne andere. In ein Zweibettzimmer, wovon eines schon belegt war: mit eine gefühlt 40 Jahre ältere Dame. Die hatte woll was mitter Lunge, die prustete und hustete wie´n ganzes Tuberkulose-Freizeitcamp. Dazu dudelte der ihr Lieblingssender in Radio: NDR1 Radio Niedersachsen. Da steh ich ja voll drauf. Erst “steht ein Pferd aufn Flur”, dann “hab ich Kopfweh, heute Abend” bevor DJ Ötzi “ein Stern, der meinen Namen trächt” die musikalische Schwachsinnstrilogie beschließt und endlich die Nachrichten kommen, die widerum verkünden, dass wa mit unsern gesparten paar Kröten bald nix mehr anfangen können. Fängt ja gut an, der Krankenhausaufenthalt! Gerade mal dieses Magnetdingens, Puls und Blutdruck hamse geschafft, den ganzen Tach. Zuhause steht der Müll wahrscheinlich auch noch inner Küche, also rech ich mich nich weiter auf. “Röchel, röchel, hust, röchel, hust, schluck, rülps, röchel, röchel, hust, hust, rülps, gulp, röchel, röchel, hust, rülps!” Das war das Abendbrot. Also von meine Nachbarin. Die saß mir dabei genau gegenüber. Ich habe dann meinen Teller aber dreimal kontrolliert nach jeden Gehuste, das könnse glauben. Die kann ja nix dafür, is halt krank. Gibt aber durchaus nettere Gesellschaft bein Abendessen, sogar mein Göttergatte wär mir da lieber. Den nächsten Tach ging das dann los, mitte Untersuchungen. Als erstes kam so ein Skelettsintigramm oder so ähnlich. Klingt jedenfalls, als hättense ein Zigeunerskelett gewogen. Da hamse dann son radioaktives Zeuch gespritzt und mich aufe Liege gelecht und fotografiert. So von innen, mit ohne Blitz. Sah putzig aus. Nach zwei Stunden solltich wiederkommen. Bin erste ma auf die Station, damit ich mein Frühstück mit meine Bettnachbarin zusammen einnehmen konnte. Was eine Freude! Die Schwester kam dann rein ins Zimmer und meinte, ich soll erst noch zum EKG. Und dann noch zun Röntgen vonne Füße. Aber nur, wenn ich rechtzeitich wieder bei diesen Zigeunerdingens bin. Hat natürlich nich geklappt. Bein EKG war so viel los, wie bein Rummel zu später Stunde anne Schießbude. So kam ich natürlich zu spät. Alles wartete auf Gertrud! Kann ich aber nix für. Die vonner Station ham mir sogar son AOK-Porsche gegeben und dazu einen Rollstuhlschubser bestellt, damit ich schneller unterwegs bin. Nachdem ich diese Prozedur hinter mich gebracht hatte, sollte ich zun Röntgen, um mittlerweile 13.30 Uhr. Mein Mittachessen erkaltete auf mein Zimmer vor sich hin – worüber ich angesichts der zu erwarteten Geräuschkulisse von meine Nachbarin ehrlich erfreut war. Also ab zun Röntchen – mit Zivi in Siebenmeilenstiefeln. Die reinste Muppetsshow sach ich Ihnen! Mehr erzähle ich Ihnen aber erst bein nächsten Mal. Wenn ich nich vorher an Tuberkulose zu Grunde gehe. Und der Müll steht bestimmt immer noch inner Küche …
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