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Servus, Gruezi und Hallo …

von Mike. Voraussichtliche Lesezeit: etwa 3 Minuten.

kopfgeschossen… sind ja alles Anreden, Begrüßungen quasi. Wenn auch erstere beiden eher in der Schweiz oder in Österreich und Bayern vorkommen.

Aber um den fröhlichen Ausruf zur Begrüßung, den man schon mal den österreichischen Fußballfans hämisch und Deutschlandfahnen schwingend entgegenwirft (das kleine Trostpflaster, sollten wir doch nicht Europameister geworden sein, sei uns doch gegönnt; von wegen Cordoba!), geht es mir eigentlich gar nicht. Mir geht es nicht um die Anrede, sondern um den Schlussgruß (der Ausrede, sozusagen) eines Briefes oder einer E-Mail. Meistens der E-Mail, da Briefe eigentlich nur noch von Behörden mit Zahlungsaufforderungen darin verschickt werden, gegen die man sich wiederum auch nur mit Briefeschreiben wehren kann. Hier ist dann der Schlussgruß klar: „Hochachtungsvoll“, wenn man noch gut gelaunt ist, „bestimmt nicht Hochachtungsvoll“, wenn einem der Ärger Gift triefend aus der Feder fließen will.

Im E-Mail-Verkehr geht es oft persönlicher zu. Oft auch überraschend persönlich. Da schreibt einem schon einmal eine bis dato unbekannte Person (meist weiblichen Geschlechts), die ihre Dienstleistungen oder Produkte an den Mann bringen will: Liebe Grüße. Dass „Liebe“ mitlerweile inflationär gebraucht wird, weiß ich schon, seit ich IHR die Worte ins Ohr genuschelt habe, nur um SIE endlich in die Horizontale zu bekommen (hat zwar geklappt, war aber trotzdem enttäuschend; ich habe dann nicht wieder angerufen, und fühle mich deswegen heute noch als das Ding, wo hinten alles rauskommt – wenn ich daran denke, was nicht oft passiert).

Was aber soll ich mit lieben Grüßen einer mir unbekannten Person anfangen? Ist das ein Versuch mich näher kennen zu lernen? Oder einfach nur so dahingeworfen wie der Knochen dem Hund? Vertrauen bildende Maßnahme, oder gedankenloses Geschwafel? Ich weiß es nicht, ahne es nur. Eine Stufe darunter ist dann das „lg“ angesiedelt, von dem ich zuerst glaubte, es hieße „Lieber Gott“, aber das war wohl ein Anflug von Selbstüberschätzung und stimmt genau so wenig wie „lausiges Gespräch“ oder „listige Gurke“. Obwohl so eine Gurke schon listig ist: Volumen vortäuschend besteht sie doch fast nur aus Wasser.

Dann kommen die „herzlichen Grüße“, die immer mehr werden in meinen Mails. Ich habe den Eindruck gewonnen, dass sogar die Ankündigung von Zwangsvollstreckungen lock­er mit „Herzliche Grüße“ unterschrieben werden könnten, weil die Menschen, die mir herzlich gesonnen sind scheinbar immer mehr werden. Vor lauter Herzlichkeit bekomme ich schon Pick­el wie meine pubertierende Tochter (in den Mails und Postings meiner Tochter wird übrigens „gedrückt“, „gekuschelt“, „lieb gehabt“, „ganz doll lieb gehabt, bis zum Mond und wieder zurück“, dass einem schlecht werden kann; auf dem Schulhof am nächsten Tag schaut man sich allerdings mit dem Allerwertesten nicht an – es wäre uncool, ginge das Turteln weiter). Nur weil ich immer so nett bin, müssen doch nicht alle mit mir kuscheln wollen, oder?

Der unverfänglichste Abschiedsgruß in einer Mail ist das „Mit freundlichen Grüßen“. Davon abgesehen, dass das in vielen Fällen gelogen ist (Die Lieferung ist leider nicht pünktlich eingetroffen, ich behalte mir Schadensersatzansprüche vor. Mit freundlichen Grüßen), wird es auch oft unhöflicher Weise mit „mfg“ abgekürzt. Der Autor solcher Mails ist also nicht nur unverbindlich, sondern auch noch schreibfaul. Ab und an erreichen mich auch Mails mit der Abschiedsfloskel „Gruß“. Das klingt immer ein wenig nach „lass mich bloß in Ruhe“ und so kurz und knackig, dass man das Bedürfnis hat, die Hacken aneinander zu schlagen – was in Sandalen sehr schmerzhaft sein kann! Wenn man unhöfliche Abschiedsfloskeln vermeiden möchte, oder überhaupt keinen Bock auf Herzlichkeit, Höflichkeit und Liebe hat, dann grüßt man gar nicht. Da kann denn der Empfänger die Gemütslage des Autors raten – wenn er Lust dazu hat (Ware muss bis zum Wochenende geliefert sein!).

Auffällig ist, dass einige Geschäftsleute, die ihren Kunden den Honig gleich literweise ums Maul schmieren müssen um etwas zu verkaufen, wenn sie selbst Kunde sind, ihre höflichen Umgangsformen vermissen lassen. Arm und kurzsichtig. Was ich hiermit aber nun sagen wollte? Weiß nicht. Schoss mir so durch den Kopf nach Lesens einer Glosse zu dem Thema. Es grüßt Sie ganz herzlich msf

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