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Quo vadis,

kopfgeschossenSozialstaat? Das muss man sich angesichts der immer schärfer werdenden Diskussion über sozial Schwache im Allgemeinen und Hartz IV-Empfänger im Besonderen fragen.

Insbesondere der Herr Westerwelle lehnt sich diesbezüglich verbal weit aus dem Fenster. Die, die noch arbeiten, seien die „Deppen der Nation“ wohingegen die Hartz IV-Empfänger als Sozialhilfeschmarotzer verunglimpft werden. Westerwelle spricht von „spätrömischer Dekadenz“ bei den Empfängern von Sozialleistungen á la Hartz IV. Dass der Guido da etwas verwechselt hat, ficht ihn auch gar nicht an. Denn dekadent waren im alten Rom die oberen 10.000; die, die also auch noch nach unten fallen konnten (Dekadenz kommt aus dem Lateinischen von dem Verb ‘cadere’, was so viel wie fallen, oder sinken bedeutet). Nur, wo hinunter sollen die am Existenzminimum herumkreuchenden Hartz IV-Empfänger denn noch fallen? Höchstens in die Grube wäre noch möglich.

Domine,_quo_vadis-

„Domine, quo vadis?” Gemälde von Annibale Carracci, 1602.

Quelle: wikipedia/gemeinfrei

„Derjenige der arbeitet, muss mehr haben, als derjenige der nicht arbeitet!“ stößt Westerwelle in sein Populismushorn. Was natürlich schwierig wird, bei Mindestlöhnen, die die arbeitende Bevölkerung eher verhöhnen, als entlohnen. Nicht wenige Menschen müssen trotz Arbeit Hartz IV in Anspruch nehmen, um nicht zu verhungern, oder ihren Kindern ein einigermaßen würdevolles Leben zu ermöglichen. Ich würde Herrn Westerwelle nicht empfehlen, zur Zeit auf dem Flur einer Arbeitsagentur zu flanieren, das könnte schlimm für ihn ausgehen.
Da immer deutlicher wird, dass die FDP den Sozialstaat dahingehend umbauen möchte, dass es den Gutverdienenden immer besser und den nicht Verdienern, sprich Hartz IV-Empfängern, immer schlechter gehen soll, muss man überlegen, ob das Deutschland des Herrn Westerwelle den Begriff Sozialstaat noch verdient. Das verbale Eindreschen auf die sozial Schwachen in der Gesellschaft nimmt jedenfalls groteske Züge an. Man vergleicht gar Westerwelles Äußerungen mit denen eines Jörg Haider.
„Westerwelle nannte einmal mehr das Beispiel einer verheirateten Kellnerin mit zwei Kindern: Sie würde mehr als 100 Euro weniger verdienen als wenn sie Hartz-IV-Bezieherin wäre. “Das geht nicht”, sagte Westerwelle.“ (Quelle: Spiegel-Online) Da hat er Recht, denn die Löhne im Gaststättengewerbe sind schon unterirdisch. Hier gilt es unter anderem anzusetzen. Zudem hinkt der Vergleich wieder einmal: Welche Kellnerin ist so schlecht, dass sie nicht mindestens die fehlenden 100 Euro als Trinkgeld nach Hause brächte?

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