Pesto
Es gibt keine richtige Pesto in der falschen …
… oder: Vom Schönreden und -schreiben der Massenprodukte. Die Berufseuphemisten der Public Relations versuchen bekanntlich unermüdlich, mit wohlgesetzten Worten den Worst Case rosarot anzustreichen. Idealerweise so, dass der Verbraucher/Kunde dies nicht nur nicht merkt, sondern im Idealfall auch noch zustimmend nickt. Hier nur ein Beispiel von vielen.
Die Firma Barilla geriet vor einiger Zeit ins Visier von foodwatch: In ihrem Produkt „Pesto alla Genovese“ wäre nicht das drin, was in den – mittlerweile geänderten – Werbetexten auf deren Webseite zu lesen gewesen sei. Vor allem fehlten Olivenöl und Pinienkerne. Auch das Etikett vermittele Emotionen, die das Produkt nicht zu halten vermöge. Der Pressesprecher von Barilla in Deutschland, Luca Zanetti, reagierte. Prompt ertönte dieses schöne Beispiel von PR-Geschwurbel: „Das Pesto alla Genovese entspricht einer freien kulinarischen Interpretation des traditionellen Rezepts aus Ligurien.“ Ins gleiche Horn stieß der italienische Pressesprecher Guiseppe Coccon, der das Weglassen des Olivenöls und der Pinienkerne folgendermaßen als kundenfreundlich besang: “Wir bevorzugen die Verwendung von Sonnenblumenöl anstelle von Olivenöl, weil es einen sehr neutralen Duft und Geschmack hat. Dadurch können die anderen Zutaten besser zur Geltung kommen. … Bis vor kurzer Zeit haben wir Pinienkerne verwendet, aber wir hatten Befürchtung in Bezug auf deren Stabilität. Aus diesem Grund haben wir uns entschieden, das Rezept zu ändern und Cashewnüsse zu verwenden, um ein sicheres und besseres Produkt zu erhalten.“
Jaja, die mangelnde Stabilität der Pinienkerne – gut, dass das mal jemand anspricht! Endlich wurden wir Verbraucher erhört! Bevor Sie jetzt in den Supermarkt rennen, genießen Sie bitte vor Ihrer Sonnenöl-Pesto noch ein paar Fakten: Pinienkerne aus dem Mittelmeerraum kosten bei Abnahme von 25 Tonnen ca. 25 € pro Kilo. Cashewnüsse schlagen nur mit drei bis vier Euro zu Buche. Bei Olivenöl ist es ähnlich: knapp fünf Euro pro Liter für Olivenöl ab Ölmühle und Abnahme in Tonnen, Sonnenblumenöl, bspw. aus der Ukraine kostet um die 1,10 € pro Kilo (2007).
Was uns die Herren Pressesprecher also eigentlich sagen wollten: „Für den Verkaufspreis, mit welchem wir den Markt aufrollen, können wir keine hochwertigen Zutaten verwenden, denn das wäre unrentabel.“ Die Änderung des traditionellen Rezepts ‘ganz nach gusto’ erfolge daher ausschließlich als eine zutiefst börsenschonende Maßnahme ganz im Interesse des Verbrauchers!
Herzlich willkommen in der Welt der Werbung und Public Relations!
