Paella als Weltkulturerbe?
von Mike. Voraussichtliche Lesezeit: etwa 2 Minuten.
Der Wildschwein am Stück verzehrende Obelix hätte angesichts des Vorschlags der spanischen Landwirtschaftsministerin Elena Espinosa, die die mediterrane Ernährungsweise als Weltkulturerbe akzeptiert wissen will, kommentiert: “Die spinnen, die Spanier!”
Seit die Unesco nicht nur Bauwerke sondern auch “immaterielles Kulturgut” als Weltkulturerbe auszeichnet, geht die Fantasie mit den Leuten durch.
In der EU-Vorlage Spaniens heißt es: Die mediterrane Ernährungsweise ist gehaltvoll, vielseitig, ausgeglichen, gesund und schmackhaft.
Gesund wäre sie ja, die Mittelmeerdiät mit viel Gemüse, Fisch, Obst und natürlich Olivenöl. Bei der Interpretation der Mittelmeerdiät (die die Spanier sowieso von den Kretern abgekupfert haben) bzw. der mediterranen Ernährungsweise wird allerdings geflissentlich das Fleisch weggelassen. Warum? Weil kein Europäer so viel Fleisch isst, wie die Spanier. Auf 120 kg pro Kopf und Jahr bringen es die Spanier – die Deutschen schaffen nur rund 90 kg. Und was führt man als Beispiel für die mediterrane Küche an: Paella und Tapas. Natürlich ganz ohne Fleisch.

Olivenöl, Gemüse, Fisch, Pasta - Bestandteile der Mittelmeerdiät
Bestandteile der Mittelmeerdiät: Olivenöl, Fisch, Tomaten und Pasta.
Foto: pixelio.de/a.c.media; Montage: a.c.media
Na ja, die Idee finde ich grundsätzlich gar nicht so schlecht, eine Ernährungsweise als Weltkulturerbe zu verewigen. Wer weiß denn schon, ob die nächsten Generationen sich auch noch gesund ernähren, oder ob McDoof und Co. mit ihren globalisierten Ernährungspropagierungen alle europäischen Esser in ihren Bann ziehen werden. Dann wird vielleicht der “Hamburger” Weltkulturerbe, was auch ein Gutes hätte: es wäre zumindest namentlich ein deutsches Weltkulturerbe!
Bevor jedoch die spanische Reispampe Weltkulturerbe wird, hat es ja wohl unser “Deutsches Bier” verdient in den Weltkulturerbe-Olymp aufzusteigen. Es enthält viele wichtige Nährstoffe, diente den Mönchen sogar während der Fastenzeit als vollständige Mahlzeit und wird mittlerweile auf der ganzen Welt mit wachsender Begeisterung getrunken. Einzig den nötigen Hinweis, dass es nur “in Maßen” getrunken werden sollte, werden widerum die Bayern falsch verstehen. Egal: “A Guada hoits aus, und um an Schlechten is net schad!”
Ich höre sie schon, die Italiener, die jetzt den Wein als Weltkulturerbe nachschieben möchten, oder die Griechen das Olivenöl. Absurd? Also wenn es die Tänze der Aka-Pygmäen aus Zentralafrika und die Totengedenkriten Mexikos als Weltkulturerbe geschafft haben, dann kann ja wohl auch Bier, Wein und Olivenöl Weltkulturerbe werden. Man muss das auch mal im möglichen Zusammenhang sehen: Erst trinkt man das Bier und den Wein, dann tanzt man wie die Pygmäen, nach anschließendem Alkoholtot wird mit Olivenöl gesalbt und nach mexikanischen Riten bestattet. Weltkulturerbe vom Feinsten! Und wer unbedingt will, kann ja zwischen Bier und Wein noch eine Paella einschieben.


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