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Nach zu Hause

von Mike. Voraussichtliche Lesezeit: etwa 3 Minuten.

kopfgeschossenHört man den Menschen auf der Straße aufmerksam zu, und befindet sich nicht gerade in einer Universität in einer Germanistikvorlesung, dann schlagen einige Sprecher die tollsten Grammatikkapriolen. Doch nicht nur die Sprecher, auch die Schreiber sind mit von der Partie. Deshalb hier einige Anmerkungen zu häufigen Grammtiksünden. Vielleicht kann ja der eine oder andere damit etwas anfangen, vielleicht sogar sein Gegenüber verblüffen (Seit wann weißt’n das denne?).

Das Ding mit “nach” und “zu” ist ja den meisten Menschen durchaus bekannt, schrieben sie einen Aufsatz, gingen sie darin zu einer Person und nach einem Ort. Trotzdem gehen sie am Wochenende wieder nach Oma. (Ja ist denn jetzt die Überschrift richtig? Schließlich ist das zu Hause ein Ort, keine Person.) Natürlich könnte man einwenden, dass das schon immer so gesagt wurde und Dialekt sei. Dabei sprechen wir offiziell keinen Dialekt, und das Plattdeutsche gilt nicht als solcher, sondern als eigenständige Sprache. In unserer Gegend soll sogar das reinste Hochdeutsch Deutschlands gesprochen werden. Was ich dann doch ab und zu bezweifele. Die liebe Gertrud nebenan im Blog hat ja auch so ihre Schwierigkeiten mit der Artikulation. Auffällig ist dabei, dass wir oft das Maulfaule bevorzugen, statt uns “gewählt” auszudrücken. Statt in die Stadt, gehen wir “inne Stadt”, unsere Neugier offenbaren wir nicht mit der Frage “Was machst Du gerade?” sondern daraus wird das schnoddrige “Machsten gerade?” Nun ist das ja gesprochen nicht weiter schlimm, wir werden verstanden, und darum geht es. Fängt man allerdings an, seinen Verbalmüll auch zu schreiben, ist das entweder Satire (Hallo, Gertrud!) oder Unvermögen. Lustig (nein, nicht lustich) wird es immer dann, wenn falsche Grammatik oder umgangssprachliche Redewendungen, die nicht korrekt sind, Einzug in die Medienlandschaft finden. So schreibt fast jede Zeitung landauf, landab die falsche Deklination von “winken”. Da wird gewunken auf Teufel komm raus, welcher dann garantiert nicht mit seinem Pferdefuß um die Ecke “gehunken” kommt, sondern gehinkt. Ich prophezeie an dieser Stelle, dass es höchstens noch ein bis zwei Duden-Neuauflagen braucht, bis “gewunken” toleriert, wenn nicht sogar als einzig richtig anerkannt wird. Gibt man das Suchwort “gewinkt” in die Internetsuchmaschine Google ein, bekommt man ca. 20.600 Ergebnisse, bei “gewunken” sind es über 47.000; das gibt mir zu dunken.

Vollends die Krise bekomme ich allerdings, wenn es einigen Zeitgenossen einfällt, den Plural mit “Apostroph-s” zu bilden; häufig zu sehen bei PC’s, Info’s und sogar Auto’s. Kinder’s, Kinder’s, das gibt’s nicht! “Gibt’s” ist allerdings korrekt, da hier das Apostroph den einzigen Sinn und Zweck erfüllt, für den es im Deutschen vorgesehen ist, nämlich als Auslassungszeichen. Wobei hier der Duden auch schon seit langem Kompromisse macht, denn man darf durchaus “fürs” schreiben, statt “für das”, und das OHNE Auslassungszeichen. Dafür wird “Marion’s Nähstübchen” einfach “durchgewunken”, obwohl es eigentlich auch nicht richtig ist, das gibt es im Englischen. Bei uns wäre das dann “Pauls Trinkhalle”.

Ebenfalls immer wieder zu sehen, in Anzeigen oder in Artikeln ist die falsche Form der Datumsangabe. Möchte Uschi Pfingstmontag ab 14 Uhr einen Flohmarkt veranstalten (Uschi! Mach das jetzt!), dann findet der am Montag, dem 1. Juni 2009 statt, und nicht am Montag, den 1. Juni. Wenn schon Dativ, dann immer Dativ, zumindest im gleichen Satz.

Kommen wir nun zu den Possessivpronomen, welche immer wieder Anlass zur Verwunderung geben. Possessivpronomen sind nichts anderes als “Besitz anzeigende Fürwörter” (was vor einigen Jahren noch besitzanzeigende Fürwörter waren), wie meins, deins, ihrs usw. “Wem gehört das Grammatikbuch?” fragt die Deutschlehrerin in die Klasse. “Das ist ihm seins!” könnte sie als Antwort bekommen. Und keinen wundert’s, außer die Lehrerin.

So bietet das gesprochene, wie das geschriebene Wort durchaus ungewollte Unterhaltung. Wie sonst, sollte Bastian Sick seine Kolummne “Zwiebelfisch” füllen können? Das soll jetzt aber nicht in Besserwisserei ausarten, ich toleriere durchaus die grammatischen Eigenheiten einiger Personen aus meiner Umgebung (nicht aller, einige haben es einfach nicht besser verdient, als dass man sie mit ihren verbalen Merkwürdigkeiten aufzieht: “Kann ich mal den Salat?” “Ich weiß nicht, ob Du den Salat kannst, versuch es einfach mal, vielleicht klappt es ja; ich wüsste allerdings nicht, wo beim Salat hinten ist.”). Da ist meine Toleranz wesentlich größer, als wie ihm seine. (Ouuups!)

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