iA


Kassensturz

von Mike. Voraussichtliche Lesezeit: fast 4 Minuten.

kopfgeschossenEs erfordert schon immenses Vorstellungsvermögen, unseren Staatshaushalt zu begreifen. Das liegt unter anderem daran, dass da so viele Nullen mit im Spiel sind. Und das kann man so oder so sehen – und hat immer Recht.

Um diese ganze Misere begreiflich zu machen, greife ich zu einer List: ich streiche einfach die Nullen weg (wenn das so einfach wäre …). Dann kommen dabei Zahlen heraus, die sogar der „normale Ottoverbraucher“ versteht.
Also: Die diesjährigen Ausgaben der BRD betragen 327 Euro (wir erinnern uns: nix Nullen). Und weil ja in der Geschichte der BRD noch kein Politiker je mit Geld umgehen konnte, summiert sich seit 1949 die Staatsverschuldung auf 1.700,- Euro. Aber, wir sind ja der Wirtschaftsgigant in der EU. Uns geht es ja so gut!!! Wir haben nämlich auch Einnahmen. Zum Beispiel aus Steuern. Die betragen voraussichtlich 214,- Euro. Und noch ein paar Kröten, die unter der Rubrik „Sonstiges“ hereinkommen (nein, nicht die Parteispenden, die bleiben allein den Parteien) in Höhe von ca. 27,- Euro. Das macht zusammen – uuups – ja nur 241,- Euro. Wir brauchen doch aber 327,- Euro. Also benötigen wir einen Kredit von 86,- Euro. Und im Gegensatz zu oben erwähntem „normalen Ottoverbraucher“ bekommt unser rollender Finanzvernichter natürlich den Kredit, obwohl er ja schon 1.700,- Euro Schulden hat und nur 241,- Euro hereinkommen. Von denen die Zinsen für den dann auf 1.786,- Euro gestiegenen Schuldenberg aufgebracht werden müssen. Tilgung? Gar nicht dran zu denken.
Allein die Trösterin der Witwen und Waisen, die ehemalige Zensursula und jetzige Ministerin für Arbeit und Soziales bekommt aus dem Haushalt 147,- Euro (ihr Vorgänger kam mit 124,- Euro aus), und die geburtenstarken Jahrgänge kommen erst. Die Zinsen für die Kredite fressen allein 41,- Euro auf, sodass die beiden Ministerien alleine schon 188,- Euro benötigen. Und die anderen 14 Ministerien wollen auch was haben. Schließlich spielen wir ja auch Krieg, und Wohltäter natürlich auch. Die armen Banken, die sich in die Bredouille geritten haben, müssen schließlich großzügig unterstützt werden. Wäre ja nicht auszudenken, wenn deren Manager mit ein paar Millionen im Jahr weniger auskommen müssten (allein der Herr Ackermann, seines Zeichens Chef der Deutschen Bank, bekommt geschätzte 0,01 Euro Jahresgehalt; die sieben fehlenden Nullen müssen Sie sich dann wieder dazu denken, das Komma weglassen und die eins vorne dran stellen; na gut, ich will mal nicht so sein: 10.000.000,-).
Nun müssen die anderen aber zusammen mit 53,- Euro auskommen. Damit sind die natürlich nicht zufrieden, und möchten auch gerne mehr Geld haben. Leider wachsen die Einnahmen nicht so schnell, wie die Ausgaben. Und da haben unsere Politiker eine tolle Idee: Steuersenkungen! Leuchtet Ihnen das auch so ein wie mir? Es soll quasi so funktionieren, dass durch die Senkung der Steuern die Wirtschaft angekurbelt wird, da ja alle mehr Geld haben und somit auch mehr kaufen können, und dadurch haben wir dann das ersehnte Wachstum. Hat in der Vergangenheit noch nie funktioniert, wird es auch in Zukunft nicht. Die Aussichten sind also mehr als übel. Und wenn Onkel Wolfi fürderhin auch noch sieben Prozent Zinsen (wie zum Beispiel Griechenland) statt drei Prozent auf die 1.786,- Euro Schulden zahlen müsste, dann kann er sich gleich auf den Weg in die Insolvenz machen.
Zur Not könnten wir aber auch ein paar Inseln verkaufen, so wie man es den Griechen vorgeschlagen hat. Sylt ist bald sowieso nicht mehr da, da können wir vorher auch noch einen schnellen Euro machen. Und Helgoland? Wer braucht schon Helgoland? Auf der Fähre wird eh allen immer schlecht.
Am Besten ruft der Schäuble mal den Peter Zwegat von RTL an. Den Schuldnerberater der Nation. Dann macht RTL eine Doku-Soap draus („Schäuble 5, und der Zwegat macht sich auf die Strümpf“ oder so ähnlich), und vermarktet die europaweit zu horrenden Summen, die dann wieder in die Staatskasse zu fließen haben. So könnten wir es schaffen, aus der Schuldenfalle herauszukommen. Wobei auch das Auge etwas davon hätte, denn bei Schäuble zu Hause und im Ministerium sieht es bestimmt nicht so heruntergekommen aus, wie bei Zwegats Stammkunden. Zudem hätten unsere europäischen Nachbarn mal ordentlich was zu lachen, und das ist schließlich gesund. So tun wir auch noch etwas für deren Gesundheitskassen. In der BRD sieht’s da ja eher schlecht aus. Kopfpauschale, ick hör dir trapsen. Aber das sind ja keine Steuern, das sind Abgaben. Und Raider heißt jetzt Twix, sonst ändert sich nix.

Share

Keine Kommentare für ‘Kassensturz’

Hinterlasse einen Kommentar