Ein Hoch auf die Kreativität
von Mike. Voraussichtliche Lesezeit: etwa 3 Minuten.
Was würden wir nur ohne die kreativen Menschen um uns herum machen. Schier verzweifeln würden wir, denn wir müssten einfach zum Friseur gehen, statt zu „Angela’s Schnittpunkt“!
Natürlich immer mit dem besitzanzeigenden Apostroph, damit jeder weiß: Dieser Schnittpunkt gehört Angela. Also in der Mathematik ist der Schnittpunkt der gemeinsame Punkt zweier Kurven, im Sprachgebrauch ist es der Berührungspunkt zweier Geraden. Wo da jetzt Haare ins Spiel kommen, ist mir noch nicht aufgegangen, zumindest möchte ich mir keine weiteren Gedanken darüber machen. Der gleichen Logik folgend, könnten ja auch Hälse statt Haare abgeschnitten werden, im übertragenen Sinn wäre auch beides im Bereich des Möglichen. Quasi eine halsabschneidende Haarabschneiderin.
Gerade im Berufszweig des Friseurhandwerks sprüht es nur so vor Kreativität: „Kamm in“ ist auch so ein Beispiel für haarsträubende Namensgebung. Ganz und gar daneben ist dann der „Friseur Sahaara“! Was macht der? Zieht der seinen Kundinnen die Burka über?
Ganz musikalisch wird es dann in der „PhilHAARmonie“, ich stelle mir vor, wie Haare dort einfach mit der Tuba abgeblasen werden, und mit der Querflöte zaubert der Coiffeur bezaubernde Locken ins geigenbraune Haar.
„Haargenau“ ist zumindest ein Zeichen für äußerste handwerkliche Präzision, allein der Glaube daran fällt schwer, bei so schwachsinnig benamsten Geschäften, zu denen für mich auch das „HAARbracadabra“ gehört, denn Potter und Copperfield hin oder her, wer den Friseur besucht, möchte verschönert und nicht verzaubert werden. Da freut es einen doch regelrecht, wenn ein Friseur sich abwechslungsweise nach seinem Namen benennt: „Salon Kahl“.
Aber nicht nur die Friseure haben bei der kreativen Namensfindung ein unglückliches Händchen, auch Dachdecker sind da nicht ohne. Nun ist jeder Mensch erst einmal stolz auf seinen Namen. Das ist normal und auch nicht zu bemängeln. Blöd wird es nur, wenn ein Dachdecker Schlimme heißt, und er sein Geschäft tatsächlich „Schlimme Bedachungen“ tauft. Den gibt es wirklich! Und der liefert gar keine schlechte Arbeit ab. Wie viele potentiellen Kunden er mit seinem Namen verscheucht hat, kann man nur raten. Doch nicht nur hierzulande sind die Namensträger nicht bereit zu assoziieren, wenn es um den Namen ihrer Firma geht. Gerade in der Schweiz gefunden: die „Looser Holding“. OK, ein „o“ zuviel, aber ich musste unweigerlich an die „Verlierer Holding“ denken. Hier ist einfach der Mangel an Kreativität verantwortlich für so unglückliche Wortspiele. Wenn man nun aber Pein heißt, und Krankentranporte anbietet? Gibt’s! Peinlich, oder?
Makaber wird es dann beim „Bestattungsinstitut Fröhlich“, obwohl man das mit sehr viel Wohlwollen als Trauerhilfe deuten könnte.
Ganz besonders kreativ zeigt sich der Margarine-hersteller Rama mit seiner dickflüssigen Margarine Pflanzencreme namens „Culinesse“. Wer nun nicht weiß, dass es sich um eine Kombination aus Kulinarik und Finesse handeln soll, könnte auf den Gedanken kommen, dass es sich vom italienischen und spanischen Culo ableitet, dem Hintern, das Produkt also für’n Ar… ist.
So sollte man mit seiner Kreativität nicht über das Ziel hinaus schießen, vor allem die potentiellen Kunden nicht überfordern. Oder kennen Sie einen Dessous-Laden der „Der letzte Tanga von Paris“ heißt? Ich wüsste auch keine Buchhandlung, die sich „Leseratte“ nennen würde, obwohl es den „Bücherwurm“ natürlich gibt.
Es zeugte ja schon von Krativität, nennte man seinen Blumenladen „Pflückmeister“ statt „Gänseblümchen“. Wobei „Blattgold“ jetzt wieder über das Ziel hinaus schösse.
Auch und gerade in der Werbung gehören kreative Wortspiele zum guten Ton. Wenn dabei aber ein Agenturname heraus kommt, der mit Abartigkeiten assoziiert wird, dann kommt der Art-Director wohl aus Amerika oder zumindest aus England (das ist ein Insider).
Da wir gerade beim „ans Bein pinkeln“ sind: Journalisten sind natürlich besonders kreativ, wenn es um die Erfindung einer knackigen Artikelüberschrift geht. Da findet man dann solche Preziosen wie „Pipi wirbelt vorm Dom“ (HNA, 14.06.2010). Da kann man nur hoffen, dass alle Besucher der Domfestspiele einen Schirm dabei hatten. Völlig merkbefreit: „Mein Hund, der hat drei Ecken: ‚Die Abwrackprämie hat unterschiedliche Seiten.‘“ (Weser-Kurier, August 2009). Genau!

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