Ehne, mehne, muh, arm bist Du!
von Mike. Voraussichtliche Lesezeit: etwa 3 Minuten.
Seit drei Wochen wissen wir endlich offiziell, was wir beim Blick auf unseren Kontostand sowieso schon wussten: Wir sind arm! Also nicht jeder, aber jeder achte – mindestens. Arbeitsminister Scholz gab aus seinem Armutsbericht bekannt, dass 13 Prozent der Bundesbürger als arm gelten, noch mal 13 Prozent werden nur durch staatliche Unterstützung vor der Armut bewahrt. Die soziale Kluft habe sich vertieft, sagt er. Er hätte uns ja auch mal was Neues erzählen können.
Interessant an den Ausführungen sind die nachfolgenden Zahlen, hier ein wenig verkürzt: Als reich gilt jemand (alleinstehend, keine Kinder), desses Einkommen netto mehr als 3.418 Euro beträgt; als arm, wenn er nur 781,- € netto in der Tasche hat. Immer noch ein wenig abstrakt? Gut, dann hier mal ein Beispiel, das jeder nachvollziehen kann: Der Präsident des Landesverbandes des KFZ-Gewerbes, Manfred Woltmann, meinte während seiner Eröffnungsansprache der neulich stattgefundenen Einbecker Motor-Show, es wären durchschnittlich acht Monatsgehälter für einen Neuwagen aufzuwenden; nur 3,2 Gehälter für einen Gebrauchten. Die Äußerung nehme ich mal zum Anlass für ein kleiner Rechenspielchen. Ein neuer 3er BMW kostet in der kleinsten Motorisierung und in Serienausstattung ca. 26.000,- Euro. Wir reden hier von unterer Mittelklasse! Für DM-Fetischisten: Das sind ca. 50.000,- D-Mark! Wenn Woltmanns Aussagen nun stimmen, verdient der Käufer dieses Modells monatlich 3.250,- € netto. Da fehlen also nur 168,- € Verdienst um offiziell als reich zu gelten. Und damit kann man sich nur einen 3er BMW leisten.
Der Arme müsste übrigens 6.248,- € für einen Neuwagen aufbringen – das reicht noch nicht mal für einen Dacia Logan, oder wie der heißt. Was will uns diese Rechnung nun sagen? Ganz einfach: Wir sind arm! Und das wussten wir vorher schon. Nun werden einige Politiker aber ganz wuselig, und wollen dringend was unternehmen (ja, ist denn schon wieder Wahl?), faseln von Umverteilung und Steuersenkung für die unteren Einkommen. Das ist also ungefähr so, als wenn ich beim Einkaufen an der Schlachtertheke statt 500 g Thüringer Mett, plötzlich und unerwartet 550 g für gleiches Geld bekomme. Das freut einen, aber satter wird man davon auch nicht. Und das sind immerhin 10 % mehr! Also der Arme bekäme statt 781,- € 859,10 €. Das freute ihn sicherlich, änderte aber nichts an seinen Lebensumständen. Er könnte höchstens in Erwägung ziehen, statt nur bei Aldi, auch einmal im Monat bei REWE einkaufen zu gehen. Nicht wirklich die Erlösung aus der Armut. Zudem die zehn Prozent sowieso für Heizkosten draufgingen. Was also tun? Hier mal ein blauäugig vorgeschlagener Maßnahmenkatalog:
• Wiedereinführung und erhöhung der Pendlerpauschale ab dem ersten Kilometer (und bitte nicht für Radfahrer, sondern Autofahrer)
• Wiedereinführung der Vermögenssteuer
• Anhebung des Höchststeuersatzes ab einem jährlichen Einkommen von brutto 100.000,- € auf 54 %, je weitere 50.000,- € zwei Prozent mehr bis höchstens 60 %
• Lohn- und Einkommenssteuerfreiheit für Einkommen von jährlich unter 12.000 € (Ganztagsbeschäftigung), 8.000 € (Teilzeitbeschäftigte)
• Massive Entlastung des selbstständigen Mittelstands (die einzigen, die noch Steuern in nicht unerheblichem Maße zahlen)
• Wegfall der Mehrwert- und Heizölsteuer für Heizöl
So, jetzt höre ich schon den Aufschrei der Politiker: Wer soll das bezahlen? Immer auf die Besserverdienenden! Ließe man Überflüssiges einmal weg, dann käme schon eine Menge Geld zusammen. Allein mit dem, was Auslandseinsätze der Bundeswehr kosten, könnte man einiges bewegen. Wer will denn wirklich, dass unsere Kinder im Ausland auslöffeln, was andere ihnen eingebrockt haben? Davon ab, dass wir (das Volk) gar nicht gefragt wurden. Was sollen auch diese irrsinnigen Subventionierungen ausländischer wie inländischer Firmen, die doch nur Arbeitsplätze von hier nach da verlagern und eigentlich gar keine neuen schaffen? Warum werden Windkraftwerke in Gegenden gefördert, die nachweislich unrentabel sind? Warum Bioenergie aus Biogasanlagen, wenn doch absehbar ist, dass die zukünftig nicht mehr rentabel arbeiten können? Man könnte das endlos fortsetzen, und eine Milliarde holt die nächste …
Ouups! Das liest sich ja fast, wie das Parteiprogramm der Linken. Tja, liebe Politiker: Das ist so ungefähr das, was der Souverän – das ist das Volk, welches euch wählt – will. Da braucht ihr euch nicht wundern, wenn die gewählt werden.

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