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Den Hals nicht voll

kopfgeschossenEs gibt ja sehr schöne Redewendungen in Deutschland, die man dieser Tage auch vermehrt einsetzen kann. Insbesondere welche mit “Hals”.

Zum Beispiel “einen dicken Hals bekommen (mein Lehrer sagte früher immer, dass ‘kriegen’ schlechtes Deutsch sei, man sagt ‘bekommen’)”, wenn einen etwas über die Maßen ärgert; oder “einen Frosch im Hals haben”, wenn man nicht mehr richtig sprechen kann, heiser ist oder eine Geschwulst im Hals hat. Dann gibt es auch noch den Wunsch “Hals- und Beinbruch”, der in den seltensten Fällen wörtlich zu nehmen ist.

Obwohl ich einen schon wüsste, dem ich solch guten Wünsche zukommen ließe: Herrn Zumwinkel nämlich. Wer die Medien in den letzten Wochen aufmerksam verfolgt hat, dem wurde auf einmal wieder ein kleines Ländchen in Erinnerung gebracht, welches längs vergessen schien. Eigentlich ist dies kleine Land auch nur denjenigen bekannt, die dort wohnen – das sind ca. 35.000 Menschen – und denjenigen, die etwas Geld haben und dieses gerne an der Steuer vorbei transferieren möchten. Um Liechtenstein geht es, die Steueroase in Europa.

Obiger Zumwinkel, ehemaliger, da zurückgetretener Postmanager, muss sich wohl zu den Geringverdienern gezählt haben, denn er wollte sein mageres Salär (2006 nur geschätzte und schrecklich wenige 3.000.000,- €) nicht auch noch vom Fiskus schmälern lassen. So hielt er sich die Steuer vom Hals, indem er in Liechtenstein ein Konto im Namen einer Stiftung eröffnete, da Stiftungen dort so gut wie keine Steuern zahlen müssen. Schlechte Menschen würden jetzt behaupten, Herr Zumwinkel sei ein Geizhals, dass er den armen Deutschen seine Steuern vorenthalten will; vielleicht haben sie ja recht damit.

Jedenfalls schlug ihm wohl das Herz bis zum Hals, als so mir nichts, dir nichts die Steuerfahndung auftauchte, und bergeweise Akten beschlagnahmte. Es wird ihn sicherlich nicht trösten, dass sich auch noch andere “Geringverdiener” im Visier der Steuerfahndung befinden, weil ein pfiffiges Kerlchen (kann auch ein Frauchen gewesen sein) dem BND eine CD mit lauter Steuerflüchtlingen zugeschanzt hatte. Nicht ganz kostenneutral, allerdings; der BND soll ein paar Milionen dafür auf den Tisch gelegt haben. Nun wird es sicherlich schwer für einige der mutmaßlichen Steuerhinterzieher, den Hals wieder aus der Schlinge zu ziehen. Einige werden gar Hals über Kopf in waghalsigen Manövern versuchen, Gelder in Sicherheit zu bringen – auf den Kaiman-Inseln zum Beispiel. Andere widerum laufen jetzt zur Polizei und zeigen sich selbst als Steuersünder an. Was bedeutet, dass sie eine Strafe bekommen, die etwa der Höhe der hinterzogenen Steuern entspricht. Die haben dann die Sache vom Hals, und können ihren Geschäften weiter nachgehen. Nur das vermeintlich gesparte Geld ist futsch. Mir persönlich hängt es zum Hals heraus, wenn kleine Ladendiebe in den Knast wandern müssen, und den mutmaßlichen Millionenbetrügern fällt man noch um den Hals, weil sie ihre Gaunereien zugegeben haben. Ich wünsche denen die Krätze an den Hals, oder zumindest – angekettet – einen Aufenthalt im Knast, damit wenigstens die Chance auf echte Reue besteht. Aber so einfach wird man sich die “hart an der Armutsgrenze lebenden Großverdiener” nicht vom Hals schaffen können. (Säße Zumwinkel ein, bekäme das Wort Winkeleisen auch eine ganz andere Bedeutungsschwere. Aber der? Immer nach dem Motto: “Kopf hoch, ist der Hals auch dreckig!” Das aber nur nebenbei.)

Einige Verdächtige werden sich bestimmt lauthals beschweren, dass man sie belästigt. Anderen wird wohl das Wasser bis zum Hals stehen, müssten sie Gelder zurückzahlen, die sie längst anderweitig angelegt haben – in Motoryachten, Flugzeuge, Bardamen und so weiter. Die werden den Hals ganz schön recken müssen, wollen sie jemals wieder als brave Bürger anerkannt werden. Mir könnt ihr alle vom Hals bleiben, das sage ich Euch. Moralisch ist das nicht vertretbar und auch kein Sport oder ein Kavaliersdelikt. Letztlich braucht der Staat das Geld, um es sinnvoll auszugeben – für Kampfeinsätze der Bundeswehr in Afghanistan um die wirklich Armen und Bedürftigen im Lande zu unterstützen zum Beispiel.

Aber nein, das interessiert Euch nicht die Bohne, das halst ihr dem Staat auf. Hauptsache Ihr und Eure Nachkommen bis in die x-te Generation müssen niemals darben.

Ich glaube aber, dass ihr einfach nur den Hals nicht voll kriegt (ich schreibe es jetzt doch; Entschuldigung, Herr Braune!)!

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