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Blendgranate

von Mike. Voraussichtliche Lesezeit: etwa 3 Minuten.

Rabatt-Aktionen, die wohl eher das Gegenteil von dem erreichen, was zu erreichen erhofft wird: Scheinrabatte.

Der Markt ist in stetigem Wandel begriffen. War vor ein paar Jahren der Geiz noch geil, so stehen heute wieder Qualität, Service und faire Preise im Fokus der Kundeninteressen. In Zeiten der wirtschaftlichen Krise ist dies eine nachvollziehbare Marktentwicklung. Wenn der Kunde Geld ausgibt, möchte er sicher sein, dafür auch einen reellen Gegenwert zu erhalten. Dieser Entwicklung trägt zum Beispiel mein Kunde, Rüggeberg – Küche und Wohnen, seit langem schon Rechnung, und richtet auch sein Marketing danach aus.

Seit nun im Juli 2001 das Rabattgesetz abgeschafft wurde (das Gesetz gegen unlauteren Wettbewerb ist damit allerdings nicht außer Kraft gesetzt, was oft vergessen wird), ist es theoretisch möglich, die abstrusesten Rabatte zu konstruieren, um Kunden zu fangen. Diese scheinbaren Rabatte entpuppen sich häufig als Blendgranaten. Dem potentiellen Käufer wird vorgegaukelt, ein Riesenschnäppchen zu machen.

Rechenbeispiel: Ein Händler wirbt mit einem fairen Preis von 2.899,– € für eine Küche, ein Marktteilnehmer kontert mit einem “Mondpreis” von 5.289,– € , auf den er 50% Rabatt gibt, um anschließend auf den reduzierten Preis noch einmal 5,5% Rabatt zu gewähren. Zudem würde das Angebot auch noch die Lieferung und die Montage beinhalten. Somit wäre der Preis (2.499,– €) zwar niedrig, die Glaubwürdigkeit des Händlers in meinen Augen dahin. Denn wer vor der Rabattaktion gekauft hat, fühlte sich jetzt zu Recht “veräppelt”. Dabei ist der Preis (in diesem anschaulichen Beispiel) nur entstanden, damit die 50% im Angebot ihre vermeintlich Kunden fangende Wirkung entfalten konnte, denn Preise können fast beliebig festgelegt werden. Und darum geht’s: Schein als Sein. Bei so einem konstruierten Angebot von 2.499,– € inkl. Lieferung und Montage für eine Küche sollten die Verbraucher zuschlagen, denn kaufmännisch ist das seriös nicht mehr zu rechnen (dies wurde mir aus sehr zuverlässiger Quelle versichert, so ein Rechenbeispiel sollte ja möglichst genau sein). Allein für die Montage einer Küche benötigte man mindestens zwei gut ausgebildete Fachkräfte (sparte der Unternehmer dort, sparte er am falschen Ende: Reklamationen sind meist teurer), die mehrere Stunden beschäftigt wären. Zudem beinhaltet unser Rechenexempel auch gute Marken-Elektrogeräte, und wer weiß, was allein ein Einbaukühlschrank kostet, der könnte sich sicherlich über so ein Angebot freuen. Schwarze Zahlen, um  auch noch in einigen Jahren seine Angestellten bezahlen zu können, schriebe man damit nicht; kann ich natürlich nur mutmaßen.

Mein Fazit: Mir sind “faire Preise, von Anfang an” lieber, als Blendgranaten. Wie soll man sicher sein, gerade bei dem ausgesuchten Möbelstück, der ausgesuchten Küche nicht zu viel zu bezahlen? Es könnte ja in der nächsten Anzeige das Produkt mit irren Rabatten beworben werden. Egal übrigens, ob es um Möbel oder andere Produkte geht. Der intelligente Verbraucher fällt schon lange nicht mehr auf solcherlei Scheinrabatte herein. Die Glaubwürdigkeit eines Händlers steht im Vordergrund (das haben sogar Saturn und Media-Markt erkannt), der Kunde möchte sich “gut aufgehoben” fühlen, möchte sicher sein, nicht über den Tisch gezogen zu werden. Und letztlich sind ja auch faire Preise – in den Grenzen des kaufmännisch Machbaren – noch etwas verhandelbar.

Rabattschlachten – wenn man sich auf solche einlässt – schaden letztlich allen Beteiligten: den Händlern und auch den Verbrauchern. Viele Händler, die so etwas versucht haben, sind heute mit Ihren Insolvenzverwaltern auf Du und Du, und die Verbraucher haben beim Service  das Nachsehen. Vertrauen schafft man nicht mit “Mondpreisen” und Riesenrabatten, sondern mit fairen Preisen, von Anfang an!

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