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Lügenkonzern Telekom …
… würde ich gerne titeln, bin mir aber nicht sicher, ob das rechtlich einwandfrei ist, denn es hat ja nur eine oder mehrere Angestellte der Telekom gelogen. Nun ja, andererseits: wer Vergleichszahlungen in Millionenhöhe leistet, um ein Strafverfahren abzuwenden, den könnte man sich in dieser Bestechungsaffäre schon als Lügner vorstellen. Von dem lange zurückliegenden Aktiendebakel mal ganz zu schweigen, die Telekom-Aktie dümpelt man gerade bei 9,- € herum. Der Ausgabepreis war damals etwas höher.
Nun geht es hier aber nicht um Millionenbeträge oder gar die Milliarden, die die Telekom im Ausland verdaddelt, sondern nur um ein paar Tausender. Nämlich um den Breitbandausbau für das kleine Dorf Fürstenhagen. Denn trotz Fördergeldern in Millionenhöhe, die dem Konzern in den breiten Hintern geschoben wurden, passiert in Fürstenhagen nichts! Der Konzern hatte nämlich, nachdem er die Ausschreibung für den Clusterausbau Südniedersachsen im Sack hatte, Fürstenhagen (weißer Fleck 32) wieder aus dem Angebot heraus genommen, was laut Wirtschaftsministerium in Hannover “nicht zu beanstanden sei”. Wer mir das erklären kann, wie jemand eine Ausschreibung gewinnt und sich hinterher die Rosinen herauspicken kann, damit andere leer ausgehen, der melde sich bitte bei mir. Ich bin sehr gespannt!
Im Juni war dann der NDR in Fürstenhagen, und hat den Bürgermeister und mich interviewt (lief auf NDR3, die Telekom wollte sich nur unter der Bedingung zum Interview bereit erklären, dass die Fragen vorher eingereicht würden und Nachfragen nicht möglich seien, worauf Herr Lindenau vom NDR entrüstet auf das Interview verzichtete), bezüglich der lahmen Internetverbindung. Es wurde die unbefriedigende Situation dargestellt und auch auf die Herausnahme Fürstenhagens beim Internetausbau hingewiesen. Eine Woche nachdem die Sendung ausgestrahlt wurde, setzte sich die Telekom mit dem Landkreis Northeim in Verbindung, um mitzuteilen, dass auch Fürstenhagen bis spätestens Ende Dezember 2011 über ein schnelleres Internet mit mindestens 2048 kb/sek verfügen wird. Seit mindestens September weist die Verfügbarkeitsprüfung auf der Webseite der Telekom eine Verfügbarkeit von 2048 kb/sek aus (wer möchte, kann das mit meiner Adresse – Ahornallee 2, 37170 Uslar – hier selbst testen). Dieser Wert ist bis jetzt nicht zu erreichen, es stehen lediglich 384 kb/sek zur Verfügung. Da das – meiner Meinung nach – gegen das Gesetz gegen unlauteren Wettbewerb verstößt, liegt dieser Vorgang jetzt zur rechtlichen Bewertung bei der Staatsanwaltschaft Göttingen. Schließlich lässt man sich ja nicht unendlich lange verarschen (ja, so deutlich muss ich das sagen!).
Da bis November 2011 noch nichts passiert war, setzte ich mich mit dem Landkreis Northeim in Verbindung, der freundlicherweise bei der Telekom nachfragte, was denn nun mit Fürstenhagens Internetausbau sei. Die Antwort der Telekom vom 07.12.11:
Sehr geehrter Herr (Mitarbeiter Landkreis Northeim),
die Verfügbarkeitsprüfung im Internet zeigt lediglich das Produkt Call and Surf mit bis zu DSL 2048kbit/s. Darunter fällt auch ein Anschluss mit 384kbit/s. An dieser Geschwindigkeit wird sich auch nichts ändern. Die 384kbit/s werden über Festnetz ermöglicht. Im Projekt “Breitbandausbau in Südniedersachsen” wird Fürstenhagen über Mobilfunk erschlossen. Wenn die neue Mobilfunk-Technik in Betrieb gegangen ist, kann ich mich gerne noch einmal melden und die entsprechenden Möglichkeiten aufzeigen.
Mit freundlichen Grüßen Karina R. (Mitarbeiterin der Telekom, Name der Redaktion bekannt)
Das stimmt schon mal in soweit nicht, dass die Verfügbarkeitsprüfung – ohne Einschränkung des rhetorischen “bis zu” – 2048 kb/sek ausweist, und die will ich jetzt mindestens haben, da ich schon seit Jahren für 16.000 kb/sek zahle, aber nur 384 kb/sek bekomme und so nicht mehr arbeiten kann (ja, es gibt tatsächlich Leute, die das schnelle Internet nicht zum Spielen und Filme gucken bei YouToube nutzen, wie es die Telekom in ihren Erfolgsmeldungen, wenn mal wieder ein Dorf erschlossen ist, verächtlichmachend suggeriert, sondern um Geld zu verdienen).
Weiterhin schrieb die Dame am 08.12.11:
Sehr geehrter Herr (Mitarbeiter Landkreis Northeim),
wir haben einen Termin zum Ende des Monats (Dezember 2011, Anm. d. Red.). Diesen haben wir gestern priorisiert und gehen von einer frühzeitigeren Bereitstellung aus. Einen festen Termin kann ich Ihnen nicht nennen.
Mit freundlichen Grüßen
Karina R.
Bis zu Silvester 2011 habe ich mich nun geduldet und auf Besserung gehofft. Leider vergebens, denn das war die nächste Lüge der Frau Karina R. Ein Anruf bei der Telekom (0800 3301000) ergab, dass auch im ersten Quartal 2012 noch keine schnellere Internetverbindung geplant sei, die Verfügbarkeitsprüfung für DSL via Funk teilt mit, dass ein kurzfristiger Ausbau für diesen Standort nicht geplant ist. Wenn diese Umstände nicht dazu geeignet sind, den Konzern als Lügenkonzern bezeichnen zu dürfen, dann weiß ich auch nicht.
Hintergrund
Fürstenhagen ist eine kleine Besonderheit in Südniedersachsen, denn als Ortsteil von Uslar ist es doch vom Land Hessen “umzingelt”, zumindest dort, wo die Zufahrtswege sind. Und noch eine Besonderheit: Trotz Zugehörigkeit zu Uslar (Niedersachsen) hat Fürstenhagens Telefonnetz die Vorwahl von Oberweser (Hessen). Das hat beispielsweise zur Folge, dass wenn ein Notruf über die 110 abgesetzt wird, dieser in Kassel eingeht und ein eventuell benötigter Rettungswagen erst nach einer halben Stunde oder länger eintrifft.
Nun liegt das ersehnete Glasfaserkabel schon in Ahlbershausen. Das sind Luftlinie drei Kilometer Entfernung, folgt man dem Straßenverlauf ca. fünf. Auf dem Weg nach Fürstenhagen könnte man auch noch zwei hessische Dörfer “mitnehmen”, nämlich Arenborn und Heisebeck. Dies scheint der Telekom aber zu teuer zu sein, und vorsorglich werden dann schon mal Mondpreise (bis zu 70.000,- € pro Kilometer Kabelverlegung) veröffentlicht. Nur muss auf dem Weg von Ahlbershausen bis Fürstenhagen weder ein Fluss, noch Bahngleise unterquert werden, noch gibt es besonders harte Gesteinsformationen oder ähnliche Hindernisse, also “easy going”. Wenn da der Kilometer mehr als 10.000,- € kostete, müsste ich mich schon sehr wundern, ich halte eher 3.000,- € für realistisch. Denn Internet via LTE ist quasi schon veraltet, bevor es einsatzbereit ist. Mehr als 7.200 kb/sek werden da wohl nicht erreicht, schließlich geht es ja schon 17,77777 mal schneller.
Fazit
Es wird Zeit, dass sich die Politik für uns einsetzt. Zuallererst die Bürgermeisterin Uslars, Frau Daske, die die Leistungen der Telekom bejubelt und dabei vergisst, dass Fürstenhagen vergessen wurde. Letztlich gehört der ganze Konzern – wenn schon nicht wieder verstaatlicht, was ich vorziehen würde – zum flächendeckenden Breitbandausbau verpflichtet.
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