Abwrackprämie für alles!
Euphorische Kleinwagenhändler überall in Deutschland! Die Abwrackprämie vom Staat wirkt nicht nur, sie treibt mitunter auch seltsame Blüten. Davon später mehr.
OK, ich oute mich hier mal; auch ich habe von der Prämie profitiert. Sie kam aber sowas von rechtzeitig. Unser kleiner Polo, der uns seit 1992 treuer und zuverlässiger Begleiter war, begann dann doch, etwas an Arthrose zu leiden. Und Lochfraß! Dabei dachte ich, das gäbe es nur bei Waschmaschinen. Jedenfalls waren von den satten 45 Pferdestärken vielleicht noch so 25 übrig, die anderen 20 fraßen ihr Gnadenbrot in Form von ausreichend Motoröl und Superbenzin. Zudem begann der Kleinwagen, ursprünglich einmal schwarz, farblich etwas in Richtung rostrot zu changieren, wobei die Schweller und der Unterboden wohl nur durch diverse Schweißnähte zusammengehalten wurden. Der Weg zur Arbeitsstätte meiner lieben Gattin (acht Prozent Steigung, danach genau so viel Gefälle – nein, nicht bei der Gattin, auf dem Arbeitsweg) fiel ihm zusehends schwerer, er kämpfte sich mit ca. 40 km/h den Hügel hinauf, während sich der Füllstand im Tank und der Ölwanne rapide verringerte. Da half auch das Gefälle nicht mehr viel, weg ist weg. Und dann kam die Abwrackprämie!
Wir also nichts wie hin, ins Autohaus, ausgesucht, gekauft und eine Woche später abgeholt. Mit einem lachenden und einem weinenden Auge, denn schließlich mussten wir ja unseren treuen Begleiter dort lassen, damit er der Schrottpresse zugeführt werden konnte. Erinnerungen kamen hoch. Zum Beispiel, wie vor acht Jahren die Schwiegermutter brastig, wegen irgendeines Vorkommnisses mit dem ‘bösen’ Nachbarn, die Einfahrt nicht wirklich mittig nahm, und der erste Kratzer den Lack zierte. Die einen nannten es Kratzer, die anderen Schramme, ich Beule. Nun ja, vorbei. 192.000 Kilometer, fast ohne Klagen. Drei Tage später rief der Autohändler an. Auf dem Weg zum Abwrackbetrieb ist unser Polo liegengeblieben, Motorschaden. „Puh, das war knapp!“
Mittlerweile überschlagen sich ja die Autohändler mit ihren Angeboten. Die Prämie wird natürlich immer schon mit reingerechnet, einige geben sogar zusätzlichen Rabatt. Ich habe schon Leute auf der Straße weinend zusammen brechen sehen, nur, weil die sich im Dezember 2008 ein neues Auto gekauft haben, oder einfach kein altes Auto mehr besitzen.
Aber auch denen wird jetzt geholfen, die Abwrackprämie macht es möglich. Die gibt es jetzt nicht nur für alte Autos. Die Werbefuzzis haben nämlich die Abwrackprämie für sich entdeckt. Alles, was nicht niet- und nagelfest ist, wird mit einer Abwrackprämie bedacht. „1.500 € Abwrackprämie für Ihre alte Küche, beim Kauf einer neuen!“ „500 € Abwrackprämie für Ihre Wohnzimmergarnitur, beim Kauf einer neuen!“ „100 € Abwrackprämie auf Ihre alte Gleitsichtbrille, beim Kauf einer neuen Gleitsichtbrille der Firma ‘Schauinsland’!“ „50 € Abwrackprämie auf Ihre alten Wanderstiefel, beim Kauf von zwei Paar Wanderstiefeln der Marke ‘Laufgut’!“ „5 € Abwrackprämie auf Ihr altes, gebrauchtes, beim Kauf eines 100er-Paketes Toilettenpapier ‘Putzweg’!“ Und so weiter und so fort … Was ich mich frage: Wann kommen die Heiratsvermittler endlich auf den Dreh? Und wie viel Abwrackprämie gäbe es für meine alte Angetraute, wenn ich eine frische, unverbrauchte nähme? Umgekehrt könnte natürlich auch meine Zimmerlinde nach einer Abwrackprämie für mich nachfragen. Den Zahn habe ich ihr aber schon gezogen. Für mich alten Depp gibt’s nix. Noch nicht mal einen Rabatt auf den neuen (Depp).
Impulse für den Arbeitsmarkt, die gibt es aber, sagt Ministerpräsident Wulff. Deswegen sähe er die Abwrackprämie gerne vom Staat aufgestockt. Ob das den Opel-Mitarbeitern (oder sagt man Opelianern?) hilft, wage ich zu bezweifeln. Wenn GM den Laden dicht macht, dann nutzt auch keine Abwrackprämie mehr. Zur Zeit ist in den Autohäusern jedenfalls alles eitel Sonnenschein. So sonnig, dass die zwar ihre Gebrauchtwagen noch inserieren, sie zu verkaufen aber kein ‘Verkäufer’ mehr Zeit findet. Die sind alle mit Neuwagen beschäftigt. Nun ja, die Zeiten werden sich natürlich nie ändern, und die Gebrauchten bleiben so lange auf dem Hof, bis man Abwrackprämie für sie bekommt. Neuwagen, die länger als zehn Jahre auf Halde stehen werden, warten dann ebenfalls auf die Abwrackprämie. Nur, weil der Staat die Autohersteller übernommen hat um sie vor der Insolvenz zu retten, und diese jetzt produzieren „was das Zeuch hält“! Blendende Zukunftsaussichten, oder?
Tags: Abwrackprämie, Politiker
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