2 x 3 macht 4 Widdewiddewitt und drei macht neune …
von Mike. Voraussichtliche Lesezeit: etwa 3 Minuten.
… Ich mach’ mir die Welt
Widdewidde wie sie mir gefällt ….
Mit dem Anfang des Pipi-Langstrumpf-Liedes ließe sich durchaus das Wahlprogramm vom jetzt ja wohl bald in der Regierung befindlichen Guido Westerwelle beschreiben. Schließlich dürfen wir uns jetzt auf Steuersenkungen für alle freuen. Ich bin ja schon froh, dass die Neoliberallallas nicht das Wirtschaftsministerium bekommen (obwohl die das bestimmt wollen). Nicht auszudenken, wenn der Handel mit nicht vorhandenen Werten wieder in Mode kommt.
Was mich wieder zu der selbstbewussten und mit einer unbändigen Energie (wer möchte, ersetze das Wort Energie durch Arroganz, aber nur wer wirklich den Eindruck hat), die ganze Zimmerfluchten zu illuminieren scheint, ausgestatteten Gallionsfigur der FDP bringt. Er, der Herr Westerwelle, möchte uns Steuererleichterungen schaffen, um den Konsum zu fördern, und so mehr Staatseinnahmen zu generieren. Wir alle haben schon als Kind von so einem Märchen gehört, dem Baron Münchhausen, der sich und sein Hottehüh an seinem eigenen Schopf aus dem Sumpf gezogen hat. Man könnte auch Perpetuum Mobile dazu sagen. „Ein Perpetuum Mobile ist eine Konstruktion, die – einmal in Gang gesetzt – ewig in Bewegung bleibt und dabei Arbeit verrichten soll oder Nutzenergie bereitstellen, ohne dass ihr von außen Energie zugeführt wird oder ein Energiegradient, z.B. in Form eines Temperaturgefälles, zur Verfügung stünde.“ meint Wikipedia dazu. Also: Steuern runter, Staatseinnahmen rauf, und alles läuft wie von selbst. Und wer jetzt ein wenig die Hirnschachtel anstrengt, könnte doch meinen, dass man, wenn das alles so toll funktioniert, die Steuern noch weiter reduziert, dann würde ja noch mehr Konsum generiert und die Steuereinnahmen flössen in die Staatsschatulle wie die Radioaktivität in den Salzstock von Asse. Blöd nur, dass bei niedrigeren Steuern auch prozentual weniger eingenommen wird. Also irgendwo zwischen 100% und 0% Steuern liegt der optimale Punkt, um so ein Vorhaben scheinbar praktikabel zu machen. Nur an welchem Punkt, weiß leider niemand. Und ich vermute, dass auch das Guidolein seine Weisheit nicht von den Löffeln der Finanzexperten eingetrichtert bekommen hat, denn an welchem Punkt nun mehr Steuereinnahmen generiert werden sollen ist auch unter diesen strittig. Die „Öchsperten“ gehen im Allgemeinen davon aus, dass, wenn alles gut läuft (und das tut es doch immer, gell), nur ca. ein Drittel der Steuerausfälle, die aus der Reduzierung der Steuerlast resultiert, wieder hereingeholt werden können; wer möchte, recherchiere die „Laffer-Kurve“. Was letztendlich weitere Milliardenschulden bedeutete. Ronald Reagan hat das in den USA probiert, dies hat, begünstigt auch durch andere Umstände, wie zum Beispiel das Wachstum der Rüstungsindustrie (wer Krieg spielen möchte, braucht schließlich was zum Ballern) auch erst zu einem Boom geführt, bis die Blase platzte und Clinton den Mist wieder wegräumen musste – mit Steuererhöhungen. Solche Dinge kann man sehr einfach recherchieren, wenn man möchte. Man kann sich natürlich auch auf die Versprechungen verlassen, die uns in das zukünftige Schlaraffendeutschland führen werden. Und so ein wenig freue ich mich ja schon darauf, denn jetzt haben wir keine große Koalition, die sich gegenseitig auf den Füßen der unterschiedlichen politischen Ansichten herum tritt.
Wer letztlich das Rennen gemacht hat ist zweitrangig, denn jetzt heißt es, es gut zu machen, damit man 2013 nicht wieder ganz hinten im Zimmer herumsteht, also weg ist vom Fenster, welches doch in blühende Landschaften zeigen sollte.
Völlig aus der Luft gegriffen habe ich mal so die Idee, dass die Regierung jetzt ja die Einkommenssteuer senken könnte, dafür aber den verminderten Mehrwertsteuersatz aufhebt. Das wäre mal eine Hausse (Hausse: Nachhaltiger Anstieg der Wertpapierkurse einzelner Marktbereiche oder des Gesamtmarktes über einen mittleren bis längeren Zeitraum. Die Hausse ist von einer “freundlichen Kursentwicklung”, die nur von kurzer Dauer ist, nicht exakt abzugrenzen. (Quelle: Börsenlexikon FAZ.net) für den Staatshaushalt! Dann nämlich wären endlich wieder die angeschmiert, die es ja immer am meisten trifft, wenn es schlecht läuft: die kleinen Leute.

Lieber Mike,
ein sehr schöner Beitrag, obwohl ich die inflätionäre Verwendung, des Begriffes “Neoliberal”, vehement ablehne.Bei Dir mache ich aber gerne eine freundschaftliche Ausnahme. Laienhaft ist Deine Analyse natürlich nicht.
LG
RS
inflationär-nicht inflätionär, ich bin ja kein Sachse..