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100 Jahre …

von Mike. Voraussichtliche Lesezeit: fast 3 Minuten.

kopfgeschossen

… sind eine lange Zeit. Zumindest bei einem Durchschnittsalter von “nur” knapp 80 Jahren +/- drei. Einige Zeitgenossen sind aber extrem optimistisch, und das nicht nur, was die zu erwartende Lebensspanne angeht.

Da legt man so seine üblichen Wege mit dem Auto zurück, wie fast jeden Tag. Also mehr oder weniger in Gedanken. Beschäftigt sich im Geiste also eventuell mit der Frage: “Wie bringe ich meiner Frau bei, dass ich rollig bin wie zehn Kater im Frühjahr, trotz ihrer Migräne und des frisch bezogenen Bettes?” oder “Warum nimmt der Schrotthändler meine Schwiegermutter nicht mit?”, da blitzt etwas am Straßenrand auf, dass voll in die Grammatikkerbe1 haut, und mich dazu nötigt, ebenso voll in die viel zitierten Eisen zu gehen, die man gemeinhin auch Bremse nennt; eigentlich meistens.

Da möchte doch ein Gesangverein 100 Jahre ein Sängerfest feiern! Ich glaub´s ja nicht. Die erste und einzig wahre Jahrhundertfete. Und die ganze Zeit musizieren auch noch die Dompfaffen aus Kastelruth. Oder waren es Kohlmeisen? Egal, jedenfalls: “Boahh!”

saengerfest

Man stelle sich nur vor, so ein Riesenfest auf die Beine stellen zu müssen, eingedenk der großen Wahrscheinlichkeit, dass der Festausschuss das Ende des Festes nicht erleben wird. Nun gut, da könnte man einige Kranzniederlegungen in das Programm einbauen. Die Nachfolge muss jedenfalls frühzeitig gesichert werden, um einen reibungslosen Verlauf zu gewährleisten. Auch ist daran zu denken, Personal für die unauffällige Entfernung der im Festzelt friedlich Entschlafenen bereit zu stellen. Hundert Jahre Bier trinken, nur durch kurze Schlafphasen unterbrochen, werden die Mortalität wehement steigen lassen.

Logistisch ergäben sich natürlich auch einige Vorteile: So könnten anfallende Familienfeiern wie Hochzeiten, Geburtstage, Silberne-, Goldene, Diamantene- und Steinerne Hochzeiten (es könnte nämlich auch sein, dass Alkohol konserviert) und einiges mehr, grundsätzlich im Festzelt gefeiert werden. Das macht auch nicht so viel Schweinerei zu Hause.

Zudem wird auch der durch Toilettenspülung verursachte Wasserbrauch in den Privathaushalten zurückgehen. Etwaige Vereinsmitglieder sparten auch am Kleidereinkauf, da ja immer nur die Vereinstracht getragen würde. Auch Media-, Pro-, Saturn- und andere Märkte müssten nicht mehr wegen Musikanlagenkaufs aufgesucht werden, da ja die “Kastelruther Wellensittiche” für durchgehenden und lautstarken Musikgenuss sorgten.

Die Polizei, unsere Freunde und Helfer, hätten es auch einfacher. Alkoholsünder würden einfach am Ausgang des Festparkplatzes gekascht. Prügeleien könnten durch ständige Präsenz der Ordnungshüter vermieden werden, und eventueller Missbrauch der Ehrenjungfrauen fünde nicht statt (obgleich die ja wohl nur die ersten 30 Jahre wirklich Gefahr liefen, ihre Unschuld gewaltsam zu verlieren; das “Schönsaufen” lassen wir hier mal weg). Eine neue Polizeistation an der Stelle wäre ernsthaft zu überlegen. Weitere Vorteile böten die Kinderattraktionen, die den Unterhalt der Gebäude von Kindertagesstätten überflüssig machten.

Nachteil wären sicherlich die vier Generationen ohne Schulbildung, denn an Schulbesuche während des Jahrhundertfestes ist natürlich nicht zu denken. So müssten denn auch die Nachteulen aus Kastelruth, um der vollkommenen Verblödung vorzubeugen, pädagogisch wertvolle Lieder zu Gehör bringen ? zumindest von morgens 8.00 bis mittags 13.00 Uhr.

1Wer diese Kolumne verfolgt weiß, dass ich schon so einige Kerben in meinen Rechtschreib- und Grammatikrevolver geschnitzt habe; und zwar immer ausgehend von selbst erschossenen erlebten Begebenheiten oder Fundstücken in Zeitungen und anderen Medien, im Gegensatz zu Bastian Sick, der gut davon zu leben scheint, dass ganz viele Leser ihm ganz viel Material für seine Bücher liefern, deren schöpferischer Eigenanteil nicht mehr als ca. 25% beträgt; glaube ich zumindest.

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